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Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt: Nur wenige Kulturdenkmäler werden abgerissen

Das Haus 15 der Universitätsklinik Magdeburg. Foto: Mai/UMMD/dpa

(Foto: Mai/UMMD/dpa)

Einst strahlten sie Pracht, Wohlstand oder Fortschritt aus - heute können in die Jahre gekommene Baudenkmale eine gehörige Last sein. Manchmal müssen sie Neuem weichen. Abgerissen wird dennoch nur selten.

Halle/Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt werden deutlich weniger Kulturdenkmale abgerissen als noch vor zehn Jahren. Im Jahr 2018 seien 39 Anträge auf eine denkmalrechtliche Abbruchgenehmigung gestellt worden, 15 wurden genehmigt, teilte das Landesverwaltungsamt in Halle auf Anfrage mit. Im Jahr 2008 seien von 74 Anträgen noch 45 stattgegeben worden. Zuletzt habe es etwa grünes Licht gegeben für den Abriss eines Hauses der Universitätsklinik Magdeburg oder auch des Raumflugplanetariums Sigmund Jähn auf der Peißnitzinsel in Halle. Voraussetzung für einen Abriss ist unter anderem, dass der Erhalt eines Kulturdenkmals für die Betroffenen unzumutbar ist.

Das Haus 15 der Universitätsklinik etwa wurde im vergangenen Jahr abgerissen, sagte eine Sprecherin. An gleicher Stelle soll das neue Herzzentrum entstehen. Der rote Backsteinbau mit rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche sei ursprünglich 1931 als Hautklinik in Betrieb gegangen, war später unter anderem Bettenhaus der chirurgischen Fächer. Bevor die Abrissgenehmigung erteilt wurde, seien insgesamt acht Varianten, zwei davon näher untersucht worden - sie seien aber nicht realisierbar gewesen oder zusätzlich vollkommen unwirtschaftlich. In Halle wurde das Planetarium bereits abgerissen, es war beim Hochwasser 2013 zerstört worden. Ein neues Planetarium entsteht an anderer Stelle in einem alten Gasometer.

Die meisten Anträge auf eine Abrissgenehmigung kommen laut Landesverwaltungsamt aber von privaten Eigentümern. Auch ihnen versucht das Landesverwaltungsamt mit einer Denkmalschutzbörse unter die Arme zu greifen. Seit 2008 sucht die Behörde auf diesem Weg Retter für schützenswerte Gebäude, die in die Jahre gekommen und in besorgniserregendem Zustand sind. Seit dem Bestehen seien auf diesem Weg 197 Objekte angeboten worden, aktuell seien es 75. Darunter seien vorwiegend historische Wohngebäude auf dem Land, Herren- und Gutshäuser sowie Wirtschaftsgebäude aus Industrie und Landwirtschaft.

76 Gebäude seien so verkauft worden, hieß es weiter. Für 22 andere blieb doch nur der Abriss, etwa aus Gründen der Gefahrenabwehr oder weil Brandschäden zum vollständigen Verlust führten, hieß es weiter. Es wurden aber auch Angebote zurückgezogen.

Insgesamt stehen laut der Behörde rund 32 000 denkmalgeschützte Gebäude in Sachsen-Anhalt. "Sie sind häufig bereits mehrere hundert Jahre alt und von enormer kulturhistorischer Bedeutung", erklärte der Präsident des Landesverwaltungsamts Thomas Pleye. Für viele Schlösser, Kirchen, technische Denkmale, Herrenhäuser oder Villen fehle Geld für die Instandhaltung. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse sind ebenso ein Grund wie mangelndes Interesse der Eigentümer an einer Sanierung.

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