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Sachsen-Anhalt Studie sieht Neubau oft über dem Bedarf

Arbeiter montieren von einer Hebebühne aus Teile an einem Neubau. Foto: Jens Büttner/Archiv

(Foto: Jens Büttner/zb/dpa)

Zu wenig Wohnungen, explodierende Mieten: Die Misere in vielen deutschen Großstädten ist bekannt. Eine neue Studie bestätigt das - zeigt für viele Regionen in Sachsen-Anhalt aber eine ganz andere Entwicklung.

Magdeburg/Köln (dpa/sa) - In vielen Regionen Sachsen-Anhalts werden einer Studie zufolge zu viele neue Wohnungen gebaut. In acht Landkreisen und kreisfreien Städten übersteigt das Angebot an Neubauwohnungen den Bedarf teils deutlich, heißt es in der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Besonders groß ist das Missverhältnis demnach im Jerichower Land, im Landkreis Stendal und im Landkreis Harz. Die Autoren verglichen hierbei die Zahl der von 2016 bis 2018 fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand schätzten.

Die größte Differenz zwischen Bau und tatsächlichem Bedarf hat der Studie zufolge der Landkreis Jerichower Land. Es wurden mehr als doppelt so viele Wohnungen gebaut wie nötig gewesen wären (213 Prozent). Die Landkreise Stendal und Harz kommen auf ein Verhältnis von 187 Prozent, der Altmarkkreis Salzwedel auf 159 Prozent und Anhalt-Bitterfeld auf 157 Prozent. Selbst in den Großstädten Magdeburg und Halle sind demnach mehr neue Wohnungen gebaut worden als nötig. Allerdings gibt es auch Regionen, in denen hätte mehr gebaut werden müssen, um den Bedarf zu decken. So wurden etwa in Dessau-Roßlau nur 71 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut, im Landkreis Börde waren es 81 Prozent.

"Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind", sagte Studienautor Ralph Henger. Wegen Neubaugebieten vor den Türen von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstand-Problem verschärfe sich. "Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden." Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sei hier wichtig.

In vielen deutschen Metropolen ist die Lage der Studie zufolge hingegen eine ganz andere. So werde der Bedarf an Neubauwohnungen in Köln noch nicht mal zur Hälfte gedeckt (46 Prozent), hieß es. In anderen Metropolen sieht es ebenfalls mies aus. In Stuttgart wurden 56 Prozent der Wohnungen gebaut, die nötig gewesen wären. Nur etwas besser war die Lage in München (67 Prozent), Berlin (73) und Frankfurt/Main (78).

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