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Sachsen-Anhalt Verbände: Kritik an Öffnungsstrategie des Kabinetts

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Die Landesregierung will mit einem Stufenplan in vier Schritten zu einem größtenteils normalen Alltag zurückkehren. Den Gewerben geht diese Perspektive nicht weit genug. Sie fordern zeitnahe Lockerungen.

Halle (dpa/sa) - Verschiedene Vertreter des Handwerks, Handels und der Industrie haben die geplante Öffnungsperspektive der Landesregierung in Sachsen-Anhalt kritisiert. Der sogenannte Sachsen-Anhalt-Plan 2021 lasse nicht erkennen, die Einschränkungen ohne weitere Schäden bei den Unternehmen beenden zu wollen, teilte die Handwerkskammer Magdeburg am Freitag mit. Mit dem Entwurf gehe die Landesregierung in einen "Open-End-Lockdown", twitterte die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Magdeburg.

Die Landesregierung will mit dem "Sachsen-Anhalt-Plan 2021" in vier Schritten zu einem größtenteils normalen Alltag zurückkehren. Die Öffnungsschritte sind an keinen konkreten Zeitpunkt gebunden, sondern orientieren sich an der Zahl der Infektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner, der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz. Sobald die Inzidenz fünf Tage lang unter 50 liegt, sollen in einem ersten Schritt verabredete Verkaufsgespräche im Einzelhandel stattfinden dürfen. Bis zu zwei Kunden dürfen dazu in die Geschäfte kommen. In der kommenden Woche soll über den Plan weiter beraten werden.

Der Entwurf geht der IHK in Magdeburg nicht weit genug. Verabredete Verkaufsgespräche müssten ab sofort möglich sein - unabhängig von den Inzidenzen. Wer lange beim Friseur sitzen darf, sollte auch einen abgestimmten Termin in einem Geschäft wahrnehmen dürfen, so die Argumentation. Seit Veröffentlichung des Entwurfs steht das Telefon der IHK in Magdeburg nach eigenen Angaben nicht mehr still.

Auch die Handwerkskammer dringt auf eine Überarbeitung des Entwurfs. An vielen Stellen wirke der Plan "wie ein Abwarteszenario mit Fixierung auf statistische Zahlenkonstrukte". Verkaufsgespräche, die online verabredet würden, seien realitätsfern. Stattdessen müssten unter Beachtung der Hygieneregeln Kleinstbetriebe wieder öffnen dürfen, da hier keine größeren Kundenballungen zu erwarten seien.

Vor der anstehenden Konferenz der Ministerpräsidenten am Mittwoch werben viele Einzelhändler in Deutschland für eine schnelle Öffnung des Einzelhandels. Am Montag wollen die Händler im Magdeburger Allee-Center auf die existenzbedrohende Lage vieler Geschäfte hinweisen. So sollen Läden und Schaufenster des Einkaufszentrums zum Zeichen der Not rot erleuchtet werden. Die Aktion findet bundesweit statt.

Die IHK Halle-Dessau kritisierte die unterschiedlichen Regeln für die jeweiligen Gewerbe. "Wenn Spiel-, Haushalts- oder Miederwaren in Drogerie- oder Großmärkten verkauft werden dürfen, entsprechende Fachgeschäfte jedoch geschlossen bleiben müssen, dann fehlt das Verständnis", betonte der Verband. So würden Akzeptanz und Vertrauen schwinden.

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