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Sachsen-Anhalt Windbranche in der Krise: Bundeshilfe gefordert

Die IG Metall Küste fordert einen Rettungsplan für die Windindustrie. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Archivbild

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Tausende Jobs stehen beim Windanlagenhersteller Enercon auf dem Spiel. Doch die gesamte Branche ist in schwierigem Fahrwasser. Jetzt wird von verschiedenen Seiten nach Hilfe aus Berlin gerufen.

Magdeburg (dpa/sa) - Nach dem angekündigten Jobabbau beim Windanlagenhersteller Enercon werden Forderungen nach Unterstützung für die Branche laut. Mit Blick auf Zehntausende Jobs in strukturschwachen Regionen wie Magdeburg, Ostfriesland, Bremerhaven und Schleswig-Holstein sei ein "Rettungsplan für die Windindustrie in Deutschland" notwendig, teilten Vertreter der zuständigen Gewerkschaft IG Metall am Montag mit. Der Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, Lutz Trümper (SPD), brachte Strukturhilfen des Bundes für die von der Branchenkrise betroffenen Regionen ins Spiel.

Der Windanlagenhersteller Enercon mit Sitz im niedersächsischen Aurich macht nach eigenen Angaben seit vorigem Jahr Verluste und erwartet auch in diesem Jahr ein negatives Ergebnis im dreistelligen Millionenbereich. Deutschlandweit habe das Unternehmen in den ersten zehn Monaten des Jahres nur 65 Windkraftanlagen errichtet, im Vorjahr gut 700. Der Konzern muss bis zu 3000 Stellen streichen, die Hälfte davon könnte am Standort Magdeburg wegfallen. Enercon begründete den Stellenabbau auch mit der Energiepolitik der Bundesregierung, die zu einem Einbruchs des Windenergiemarkts geführt habe.

Ähnlich äußerte sich am Montag auch Magdeburgs Stadtchef Trümper. Die Streichung von bis zu 1500 Stellen allein in Magdeburg sei das Ergebnis "einer verfehlten und unsinnigen Politik in Berlin", sagte der SPD-Politiker der "Magdeburger Volksstimme". Zuerst fördere der Bund den Ausbau erneuerbarer Energien und dann vernachlässige er den Netzausbau. "So macht man eine Zukunftsbranche kaputt. Das ist für mich Steuerverschwendung im höchsten Maße."

Parallel dazu forderte Trümper, die von der Windenergie-Krise betroffenen Regionen müssten Strukturhilfen vom Bund bekommen. Er begründete den Vorstoß damit, dass Milliardensummen für die Regionen vorgesehen sind, die unter dem beschlossenen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung leiden. In Sachsen-Anhalt profitiert der Landessüden von diesem Paket.

Vertreter der IG Metall schlugen eine politische Hilfe anderer Art vor: Die Bundesregierung könne "mit einer Verlängerung der Kurzarbeit von 12 auf 24 Monate für die Windbranche in der Strukturkrise kurzfristig eine Möglichkeit schaffen, um die Beschäftigten zu halten statt sie zu entlassen", hieß es vom Chef des IG-Metall-Bezirks Küste, Meinhard Geiken. Die Geschäftsführung von Enercon müsse sich ihrer Verantwortung stellen, und nachhaltige Zukunftskonzepte suchen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, forderten Gewerkschaftsvertreter aus Magdeburg.

In den nächsten Tagen soll es Gespräche zwischen Vertretern des Unternehmens und der Landespolitik in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt geben. Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper will zudem mit der Arbeitsagentur nach Möglichkeiten suchen, wie den betroffenen Mitarbeitern geholfen werden kann. Ein Wegfall von bis zu 1500 Industriearbeitsplätzen in Magdeburg hätte nicht nur Folgen für die Familien der betroffenen Beschäftigten, sondern auch für die Kaufkraft in der Region, so die Magdeburger IG Metall. "Die Nachricht vom massiven Stellenabbau trifft Sachsen-Anhalt ins Mark."

Bericht der Magdeburger Volksstimme

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