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Sachsen-Anhalt Wirtschaft stark verunsichert: Krieg trübt Erwartungen

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Der Ukraine-Krieg hat auch auf die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt starke Auswirkungen. Insbesondere die hohen Energiepreise und Lieferengpässe machen den Unternehmen zu schaffen. Die Verunsicherung ist bei vielen so groß wie noch nie.

Magdeburg/Halle (dpa/sa) - Hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten: Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt erwartet angesichts des Ukraine-Kriegs für die kommenden Wochen deutlich schlechtere Geschäfte. Sowohl im Norden als auch im Süden sind nach Angaben der beiden Industrie- und Handelskammern (IHK) die Erwartungen abgestürzt. Die Verunsicherung bei den Unternehmen sei so groß wie noch nie, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Magdeburg, André Rummel, am Mittwoch. Der Geschäftsklimaindex ist im Norden des Landes den Angaben zufolge unter den bisherigen Tiefstwert gefallen.

"Der Abwärtstrend wird im Wesentlichen durch eine starke Eintrübung der Geschäftserwartungen in nahezu allen Branchen verursacht", sagte der Vizepräsident der IHK Magdeburg, Stefan Korneck. Die starke Belastung der Unternehmen wegen Störungen in den Lieferketten würden nun durch die Sanktionen gegen Russland und die ausbleibenden Lieferungen aus der Ukraine weiter verschärft, sagte er.

Auch im Landessüden ist die Stimmung düster. Der Indexwert liege erstmals seit Ende 2020 wieder unter Null, hieß es seitens der IHK Halle-Dessau. Die direkten Auswirkungen des Krieges auf die Konjunktur seien bisher vorwiegend auf die Industrie begrenzt, zeigten aber auch dort in allen Branchen erhebliche indirekte Effekte, so der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, Thomas Brockmeier. "Die explodierenden Energiekosten und die immer knapper werdenden Handelsgüter führen zu einem massiven Kostendruck und schrumpfenden Gewinnen."

Insbesondere im Verkehrsgewerbe ist der Druck gestiegen. Die Geschäftserwartungen fallen im Süden des Landes auf minus 55,4 Prozentpunkte. Sie liegen damit nahe dem historischen Tiefstwert im ersten Quartal 2020. Im Landesnorden sorgen die enorm gestiegenen Kraftstoffpreise für den niedrigsten Wert der konjunkturellen Langzeitbetrachtung. Der Anteil pessimistischer Prognosen liegt dort den Angaben zufolge bei 81 Prozent, der Anteil positiver nur bei einem Prozent.

Auch die Erwartungen im Baugewerbe sind im Norden regelrecht abgestürzt und haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Keines der befragten Unternehmen rechnet den Angaben zufolge mit einer Verbesserung in den kommenden Monaten. Auch im Süden fallen die Erwartungen pessimistisch aus. Durch den anhaltenden Kostendruck planen 85 Prozent der Bauunternehmen dort Preiserhöhungen.

Im Handwerk trüben die Preissteigerungen und gestörte Lieferketten ebenfalls die Erwartungen. Laut Handwerkskammer Magdeburg gaben im Bauhandwerk im Norden mehr als die Hälfte der befragten Betriebe die Lage als gut an. Jedoch bleibe die Unsicherheit, ob die benötigten Materialien zur Verfügung stünden, hieß es. Die Stimmung den anderen Gewerken sei wie auch die Erwartungen zum Großteil befriedigend.

Schon am Dienstag hatte die Handwerkskammer Halle erklärt, dass das Handwerk im Landessüden noch eher positiv in die Zukunft blicke. Die Konjunkturerwartungen der Betriebe seien für ein Frühjahr zwar verhalten, aber nicht wie in Teilen der Industrie eingebrochen.

Quelle: dpa

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