Regionalnachrichten

Sachsen-Anhalt Zweijähriger getötet: Angeklagte wollen Schweigen brechen

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zu einem Gericht zu sehen. Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration

(Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration)

Der Tod des kleinen Tim aus Querfurt hatte 2020 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Die Mutter des Jungen und ihr damaliger Partner sitzen nun auf der Anklagebank. Bisher kam ihnen im Gerichtssaal kein Wort über die Lippen.

Halle (dpa/sa) - Im Prozess um den gewaltsamen Tod des zwei Jahre alten Tim wollen sich die angeklagte Mutter und deren Ex-Lebensgefährte zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Dies kündigten die Anwälte der 36-Jährigen und des 30 Jahre alten Mannes vor dem Landgericht Halle am Montag an. Der Verteidiger der Frau sagte, es sei eine schriftliche Erklärung beabsichtigt. Diese soll möglicherweise am nächsten Verhandlungstag, am 22. Januar, verlesen werden. Der Anwalt des Ex-Lebensfährten geht davon aus, dass sich sein Mandant frühestens am 1. Februar erklären werde.

Bisher haben die beiden deutschen Angeklagten im Gericht geschwiegen. Gegenüber der Polizei hatte die Frau nach Angaben von Zeugen den 30-Jährigen beschuldigt, Tim getötet zu haben. Sie selbst habe nichts getan und sei unschuldig. Beide Angeklagte befinden sich seit Juli 2020 in Untersuchungshaft.

Der Ex-Lebensgefährte der 36-Jährigen ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes, Körperverletzung und Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht von einer sadistischen Grundeinstellung des 30-Jährigen aus. Er soll den zwei Jahre alten Tim in der Wohnung der Mutter in Querfurt (Saalekreis) mehrfach gequält, geschlagen, getreten und am Ende getötet haben, um die Taten zu verdecken. Diese soll er laut Anklage mit einem Handy gefilmt haben.

Die Mutter des Jungen muss sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Die Alleinerziehende, die noch eine Tochter hat, hatte ihren Sohn am 11. Juli in ihrer Wohnung tot aufgefunden und die Rettungskräfte alarmiert. Das Kind lag nur teilweise bekleidet im Wohnzimmer. Der 30-Jährige hatte laut Zeugen in einem anderen Zimmer geschlafen. Die achtjährige Tochter der Frau war zu dem Zeitpunkt nicht da.

Nach Angaben eines Rechtsmediziners hatte der tote Junge Hämatome im Gesicht und am Körper und Verletzungen im Genitalbereich. Ein Polizist gab an, dass die Beamten 39 Videosequenzen auf einem Handy sichergestellt hätten. "Es sind Gewalttaten zum Nachteil von Tim zu sehen, auch Handlungen, die schwerer sexueller Missbrauch sind", sagte der Ermittler. Auf Bildern, die auf dem Handy gefunden wurden, sei auch der Angeklagte zu sehen.

Der Mann verbirgt seit Beginn des Prozesses sein Gesicht unter seinen Haaren. Die Angeklagte dreht ihm den Rücken zu. Der Prozess hatte im Dezember 2020 begonnen. Das Landgericht hat Verhandlungstermine bis 5. Februar anberaumt. Es sollen in der Zwischenzeit weitere Zeugen sowie Gutachter befragt werden. Der leibliche Vater von Tim ist Nebenkläger in dem Prozess.

Regionales