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Sachsen Appell aus Hollywood vor Görlitzer OB-Wahl

Schauspieler Daniel Brühl. Foto: Ralf Hirschberger/Archivbild

(Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Um einen AfD-Wahlsieg zu verhindern, schreiben Filmemacher, Oscar-Preisträger und Schauspieler einen offenen Brief an die Bewohner der Neißestadt. Sie sorgen sich um den Ruf von "Görliwood".

Görlitz (dpa/sn) - Internationale Schauspieler, Oscar-Preisträger und Filmemacher haben sich vor der anstehenden Wahl zum Oberbürgermeister mit einem offenen Brief an die Görlitzer gewandt. "Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin", heißt es in einem Auszug des Schreibens, das nächsten Montag veröffentlicht werden soll. "Bitte wählt weise, wenn die Wahl an Euch ist." Hintergrund ist die am 16. Juni anstehende Wahl, bei der Sebastian Wippel zum ersten AfD-Oberbürgermeister Deutschlands gewählt werden könnte. In einem ersten Wahlgang Ende Mai kam Wippel auf 36,4 Prozent der Stimmen - vor Octavian Ursu von der CDU (30,3 Prozent).

Würde nun Wippel gewählt, sei das ein "missverständliches Signal in die Welt hinaus", sagte Initiator und Mitproduzent von "Der Vorleser", Michael Simon de Normier, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Görlitz sei in Hollywood ein Begriff, daher habe er mit befreundeten Schauspielern gesprochen und den Aufruf gestartet. Zuvor hatte die "Leipziger Volkszeitung" berichtet.

Mehr als 100 Filme wurden in "Görliwood" bereits gedreht, darunter Szenen für "Inglorious Basterds", "Der Vorleser" oder "The Grand Budapest Hotel". Hollywood-Größen wie Kate Winslet, George Clooney, Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Bill Murray und Emma Thompson schlenderten schon durch die Altstadt.

Zu den 14 Erstunterzeichnern gehören die Oscar-Preisträger Stephen Daldry und Brigitte Broch sowie Autor Bernhard Schlink ("Der Vorleser"). Alle haben bereits in der Neißestadt gedreht und gearbeitet. "Wir lieben diese Stadt", so Simon de Normier. Wenn die Stimmung künftig von Hass und Fremdenfeindlichkeit geprägt sei, könnte das Filmemacher davon abhalten, nach Görlitz zu kommen, fürchtet er.

Dabei sei Görlitz mit seiner malerischen Kulisse und der vom Krieg verschonten Altstadt ein echter "Sehnsuchtsort". Simon de Normier sei sich sicher, dass die Mehrheit der Görlitzer keinen AfD-Oberbürgermeister wolle. Er und seine Filmkollegen hätten die Neißestadt als freundlich und weltoffen erlebt. "Als Gäste fanden wir Freunde und Freundschaft, großzügige Gastgeber und Gastfreundschaft wohin das Auge blickt", heißt es in dem Brief. Görlitz sei ein Symbol für die Schönheiten des Friedens: "Der Stoff aus dem Frieden ist, heißt Toleranz. Freiheit ist das Ergebnis."

Zu den prominenten Unterzeichnern gehören auch Tom Wlaschiha ("Game of Thrones"), Burghart Klaußner ("Das weiße Band") und Schriftsteller Daniel Kehlmann. Weitere sollen in den nächsten Tagen hinzukommen, auch Schauspieler Daniel Brühl wurde angefragt. Veröffentlicht wird der Brief über das Netzwerk "Zukunft Sachsen", das eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindern will.

Die Partei hält dem Appell entgegen: Wippel werde sich - im Sinne der Schauspieler - für Toleranz, ein offenes, freundliches Görlitz und gegen Hass, Feindseligkeit und Kriminalität jeglicher Couleur einsetzen, hieß es. "So dass sich Hollywood auch künftig bei Dreharbeiten in der wunderschönen Stadt wohlfühlen wird." Wippel lud die Hollywood-Größen zudem auf einen Kaffee ein.

In Görlitz ist man überrascht von so viel Aufmerksamkeit aus Hollywood. "Es ist beachtenswert, dass die Filmschaffenden die Vorgänge in der Stadt so genau beobachten", sagte eine Sprecherin. Bei Investoren stößt die mögliche Amtsübernahme durch einen AfD-Politiker dagegen kaum auf Interesse, berichtet Andrea F. Behr, Geschäftsführerin der für Wirtschaftsentwicklung, Stadtmarketing und Tourismus zuständigen Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH. "Wir wollen Busisness machen", laute das Motto. Allerdings verfolgten gerade größere ortsansässige Firmen, deren Zentrale nicht in Görlitz sei, den Wahlkampf und dessen Ausgang mit größtem Interesse verfolgen.

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