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Sachsen Gemeinschaftsschule steht im Landtag zur Verabschiedung

Rico Gebhardt (Die Linke) bei einer Pressekonferenz. Foto: Gregor Fischer/dpa/Archivbild

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Viele Jahre wurde um die Gemeinschaftsschule in Sachsen gerungen. In Kürze wird sie per Gesetz möglich sein. Ein Wermutstropfen bleibt. Denn der mit ihr verbundene Volksantrag wird nicht 1:1 umgesetzt.

Dresden (dpa/sn) - Original statt Modifikation: Die Linke will am kommenden Mittwoch im Landtag über den ursprünglichen Volksantrag zur Gemeinschaftsschule abstimmen lassen. Er werde als Änderungsantrag eingebracht, kündigte Fraktionschef Rico Gebhardt am Freitag in Dresden an. Der von der schwarz-grün-roten Koalition geänderte Antrag sei nicht das, wofür gut 50 000 Menschen ihre Unterschrift gegeben hätten. Aus dem Kompromiss sei ein weiterer Kompromiss geworden.

Die neue Schulart soll ein längeres gemeinsames Lernen der Schüler ermöglichen. In Sachsen werden sie bisher nach der Grundschule - nach der 4. Klasse - getrennt und gehen dann entweder aufs Gymnasium oder auf die Oberschulen. Die Koalition hatte auf Drängen der CDU in einem Antrag Hürden eingebaut. So soll die Gemeinschaftsschule nur dann möglich sein, wenn es ab Klasse 5 eine Vierzügigkeit gibt - also vier Parallelklassen.

Nach Ansicht von Linke-Politikerin Luise Neuhaus-Wartenberg werden Gemeinschaftsschulen auf dem Land damit de facto unmöglich gemacht. Viele im Bündnis "Gemeinschaftsschule in Sachsen" seien frustriert. An dem Bündnis hatten sich neben den Linken auch die SPD und die Grünen beteiligt. Das Bündnis sammelte 50 120 betätigte Unterschriften für einen entsprechenden Volksantrag. In einer früheren Umfrage waren zwei Drittel der Eltern für ein solches Schulmodell.

"Wir wollen, dass unsere Kinder über Klasse 4 hinaus gemeinsam lernen und eine Entscheidung zum weiteren Schul- und Lebensweg später getroffen werden kann", sagte die Lehrerin Doreen Taubert Ende Januar bei der Einbringung des Volksantrages im Landtag. Man sei überzeugt, so zur Chancengleichheit beizutragen, das soziale Lernen zu fördern und Gemeinschaft zu stärken. Taubert zufolge stellt der Volksantrag an sich schon einen Kompromiss dar. Die Gemeinschaftsschule solle lediglich als Option in das Schulgesetz - wenn Lehrer, Eltern, Schüler und Schulträger das auch wünschen.

Die SPD bezeichnete das Vorhaben am Freitag als "vorletzten Schritt auf einem langen Weg". Der letzte sei die Umsetzung. Dass der Antrag nicht unverändert übernommen wird, wertete SPD-Bildungsexpertin Sabine Friedel als "Erfordernis guter politischer Kultur": "In einer Frage, über die in unserem Land jahrzehntelang erbittert gestritten wurde, braucht es am Ende einen politischen Kompromiss."

Für die Grünen ist die Gemeinschaftsschule ein "wichtiger Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit" in Sachsen. Wichtig sei nun, Schulträger und interessierte Schulen bei der Verwirklichung der neuen Schulart zu unterstützen, erklärte die Abgeordnete Christin Melcher. Ein von der Koalition eingereichter Entschließungsantrag fordere eine fachliche Begleitung und Unterstützung durch die Schulaufsicht.

Das Bündnis Gemeinschaftsschule kritisierte am Freitag einen von der AfD eingebrachten Änderungsantrag. Deren Idee einer "Technischen Oberschule" wäre ein Rückschritt, hieß es unter anderem.

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