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Sachsen Gutachter zu Mord in Aue: Keinen rechtsextremer Hintergrund

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia. Foto: Volker Hartmann/Archivbild

(Foto: Volker Hartmann/dpa)

Chemnitz (dpa/sn) - Der Mord an einem Homosexuellen im vorigen Jahr in Aue hat nach Überzeugung eines psychiatrischen Gutachters keinen rechtsextremen Hintergrund. Wie der Gutachter am Dienstag am Landgericht Chemnitz aussagte, habe einer der Angeklagten zwar eine rechtsgerichtete Gesinnung - er habe ihn aber nicht als Rechtsradikalen erlebt und werte dies als Orientierungssuche. Ein Schwulenhass sei bei dem 22-Jährigen angeklungen, aber nicht im Kontext mit rechtsradikaler Überzeugung. Ursache für die Tat sei wohl Alkoholkonsum, der zum Ausbruch der Gewalt geführt habe - in Verbindung mit ungelösten Konflikten des Angeklagten.

Vor dem Landgericht Chemnitz sind drei deutsche Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sie sollen am 17. April 2018 einen 27-Jährigen brutal misshandelt und getötet haben. Der Fall hatte zuletzt Aufsehen erregt, weil er als vollendeter Totschlag in der Statistik für politisch motivierte Kriminalität von Rechten geführt wird. Der Sachverständige sagte nun, es habe sich in keiner Phase ein politischer Hintergrund dargestellt. Auch die Staatsanwaltschaft hatte dafür keine Anhaltspunkte gesehen.

Der Gutachter bescheinigte allen drei Angeklagten eine Alkoholabhängigkeit. Diese habe aber nach seiner Einschätzung nicht zu einer verminderten Steuerungsfähigkeit am Tattag geführt. Bei den beiden 22-Jährigen empfahl der Sachverständige die Unterbringung in einer Entzugsklinik. Bei dem 27-Jährigen äußerte er aufgrund der Intelligenzminderung Zweifel an Erfolgsaussichten. "Er wird vieles nicht verstehen, was dort besprochen wird", erklärte der Psychiater.

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