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Sachsen Höhepunkt der närrischen Saison: Umzugswagen rollen wieder

Karnevalisten ziehen durch die Innenstadt. Foto: Daniel Schäfer/dpa/Archivbild

(Foto: Daniel Schäfer/dpa/Archivbild)

Mit der Weiberfastnacht beginnen auch in den sächsischen Karnevalshochburgen die tollen Tage. Vor allem in den kleineren Städten und Orten sind dann die Narren los.

Dresden (dpa/sn) - Prunksitzungen, Umzüge, Partys - Sachsens Karnevalisten rüsten sich für den Höhepunkt der Saison. Zehntausende Schaulustige werden wieder bei den Umzügen erwartet. Sachsens größte Karnevalsparty ist der "Rabu", wie der Karneval in Radeburg nahe Dresden genannt wird - Motive politischer Ereignisse sind dort auf den Wagen nach Ankündigung der Organisatoren nicht beliebt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen damit nicht belästigt werden wollen. Sie sind von Politik genervt", sagte der Vorsitzende des Radeburger Carnevals-Clubs, Olaf Häßlich.

Der etwa dreistündige Umzug am Karnevalssonntag (23.2.) durch die Stadt mit rund 7300 Einwohnern lockt alljährlich bis zu 50 000 Schaulustige aus der gesamten Region an den Straßenrand. In diesem Jahr sind voraussichtlich 66 Umzugswagen mit von der Partie. Für das große "Remmidemmi", eine Party am Vortag, wurde der gesamte Marktplatz mit einem Zelt überdacht.

"Ernsthafte politische Themen sind selten", sagt auch die Vize-Präsidentin des Förderkomitees Leipziger Karneval, Cathleen Keller. Das Komitee rechnet beim Umzug am Sonntag wie in den Vorjahren mit etwa 30 Motivwagen und rund 10 000 froh gestimmten Zuschauern in der Innenstadt. Auf dem Markt wird "Löwin Laila", die Leipziger Version einer Karnevalsprinzessin, Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel eine "Goldene Rose" übergeben, Leipzigs höchste karnevalistische Auszeichnung, wie es hieß. Damit werden alljährlich Künstler geehrt, die den Namen der Messestadt überregional publik machen.

Die genaue Zahl der Umzüge zur Karnevalszeit in Sachsen weiß niemand. Der Verband Sächsischer Carneval ist im vergangenen Jahr leicht von 180 auf 185 Mitgliedsvereine gewachsen. In ihnen sind rund 25 000 Karnevalisten organisiert. Verbandssprecher Michael Rohde schätzte die Zahl der Vereine in Sachsen jedoch deutlich höher. Viele von ihnen hätten sich dem Verband bisher nicht angeschlossen. Rohde zufolge hat Politik beim Karneval durchaus seinen Platz. Es sei auch dessen Sinn, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.

Gänzlich ohne Konfetti mussten in diesem Jahr die Karnevalisten der Schifferfastnacht in Prossen, einem Stadtteil von Bad Schandau im oberen Elbtal, bei ihrem Umzug im Januar auskommen. Die Stadt hatte Konfetti verboten. Der Grund: Die bunten Schnipsel lägen noch Wochen am Straßenrand. Die Kehrmaschine komme dagegen nicht an.

Unpolitisch war der Umzug, bei dem statt der Karnevalswagen aufwendig gestaltete, bis zu 15 Meter lange Schiffsmodelle auf Rädern durch die Straßen rollen, hingegen nicht. So wurden unter anderem der Klimawandel und die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg auf die Schippe genommen - im Zug war eine "Gretel-Yacht" dabei. "Klimawandel! Wir sind froh - Wetter wie in Mexico!", hieß es auf dem Plakat einer Gruppe von Karnevalisten, die mit Sombreros und Ponchos bekleidet waren. "Das ist Fasching!", sagte der Vorsitzende der Schiffergesellschaft "Elbe" Prossen, Jens George. Die Schifferfastnacht sollte einst den Winter und das Eis vom Fluss vertreiben, das die Elbe-Schiffer zur Untätigkeit verdammte.

Seit 1706 wird in Wittichenau in der Oberlausitz Karneval gefeiert, Sachsens wohl ältester und traditionsreichster Karneval. Es ist die 314. Saison. Fast jede Garage, Scheune oder auch andere Gebäude verwandeln sich während der tollen Tagen in Freiluftbars. Beim Großen Maskenball zeigen die Karnevalsvereine ihre neuen Kostüme. Der Umzug zum Weiberfasching am Samstag gehört den Frauen. Am Rosenmontagsumzug strömen dann bis zu 10 000 Gäste in die Kleinstadt in der Oberlausitz. Rund 30 Karnevalswagen rollen durch die Straßen, begleitet von etwa 2000 Karnevalisten.

Die Umzugswagen werden zuvor "künstlerisch" abgenommen. "Das ist keine Zensur", sagte Vereinspräsident Mathias Glaab. "Aber wenn Sprüche gar zu derb ausfallen, dann geben wir einen Hinweis." Es sei schon vorgekommen, das Wagen für den Umzug nicht zugelassen wurden.

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