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Sachsen Kassenärzte-Chef warnt vor großen Erwartungen

Ein Arzt zieht in einer Hausarztpraxis eine Spritze mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech auf. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild)

Ab 24. Mai dürfen die Hausärzte in Sachsen ohne jegliche Priorisierung gegen das Coronavirus impfen. Theoretisch. Denn in der Praxis ist der Impfstoff weiter knapp. Wird ein Ansturm erwartet?

Dresden (dpa/sn) - Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen hat mit Blick auf die Aufhebung der Impfpriorisierung in den Arztpraxen vor zu großen Erwartungen gewarnt. Noch gebe es nicht genügend Impfstoff, um die Nachfrage zu bedienen, sagte Klaus Heckemann der Deutschen Presse-Agentur. Letztlich gehe es vor allem um den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Davon bekämen die Arztpraxen deutschlandweit im Mai rund 1,5 Millionen Dosen geliefert - für Juni sind 3,5 Millionen Dosen vorgesehen. Es sei ratsam gewesen, mit der Freigabe noch bis Anfang Juni zu warten, so Heckemann. "Sonst ist die Frustration groß, weil man Erwartungen weckt."

Allerdings geht der Kassenärzte-Chef davon aus, dass auch die 3,5 Millionen Dosen des Biontech-Präparates noch nicht den Bedarf decken. Momentan etwa sei der Impfstoff in so mancher sächsischer Praxis knapp, um etwa selbst die von der Sächsischen Impfkommission empfohlene Biontech-Zweitimpfung innerhalb von drei Wochen zu realisieren. Erst ab Juli, so die Prognose von Heckemann, werde die Nachfrage wohl abflachen und sich die Situation entspannen.

Astrazeneca sei in den Praxen der Hausärzte hingegen ausreichend vorhanden, auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson rechnet Heckemann nicht mit einem großen Ansturm. "Vielleicht bringt es was, weil nur einmal geimpft werden muss."

Der Freistaat hatte bereits Ende April die Impfreihenfolge für Astrazeneca beendet. Ab dem 24. Mai will Sachsen nun die Impfpriorisierung für alle Corona-Impfstoffe aufheben. Allerdings gilt das nur für Arztpraxen und nicht für die Impfzentren. Das heißt konkret: Jeder, der sich impfen lassen will, kann sich um einen Termin bemühen - unabhängig von Alter, Beruf oder Vorerkrankungen.

In der Praxis allerdings müssen die Ärzte dennoch eine Priorisierung vornehmen, solange der Impfstoff nicht ausreicht. "Wir impfen dann erst einmal diejenigen, die wir als dringend einschätzen", erklärte Heckemann. Bereits durch die Erweiterung auf die Prioritätengruppe 3 hätten viele Menschen Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung, so dass die Ärzte in den vergangenen Wochen ohnehin bereits entscheiden mussten, wem sie eine Spritze geben.

Die Kassenärztliche Vereinigung rechnet damit, dass die Nachfrage nach Pfingsten in die Höhe schnellen wird. Bereits nach der Ankündigung der Impfstoff-Freigabe seien die Telefone in vielen Praxen heiß gelaufen. Heckemann appellierte zudem an die Hausärzte, sich an der Impfkampagne zu beteiligen. Laut Gesundheitsministerium impfen sachsenweit derzeit rund 2500 Ärzte, rund 4000 wären in der Lage, Corona-Schutzimpfungen zu verabreichen.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) haben in Sachsen die niedergelassenen Ärzte bisher rund 102 000 Erstimpfungen für unter 60-Jährige durchgeführt, bei den über 60-Jährigen sind es knapp 219 000.

© dpa-infocom, dpa:210518-99-638582/2

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