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Sachsen Migranten verlangen mehr Aktivität gegen Rassismus

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Dresden (dpa/sn) - Sächsische Migrantenorganisationen fordern von Politik und Gesellschaft mehr Engagement gegen rassistisch motivierte Gewalt und Strukturen. Das sei "unabdinglich und längst überfällig", appellierte der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen (DSM) am Dienstag zum Jahrestag der Ermordung von Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden. Die Interessenvertretung verwies darauf, dass seit Jahren "fast unangetastet" rechte Strukturen wachsen und arbeiten könnten und rassistische Beleidigungen und Gewalt für viele Menschen zum Alltag gehörten. Das jährliche Gedenken von Zivilgesellschaft und Politik an die Bluttat vom 1. Juli 2009 sei ein wichtiges Zeichen, "aber nicht genug".

Menschen, die sich gegen rassistische Beleidigungen wehren, müssten gehört werden und von politischer Seite offene und klare Unterstützung bekommen, verlangte der DSM. Zudem müssten Gewalttaten mit rassistischem Motiv endlich klarer von den Sicherheitsbehörden benannt und den dahinterliegenden Strukturen aktiver nachgegangen werden. "Der Mord an Marwa El-Sherbini ist kein Einzelfall", verwies der DSM auf die 19 Todesopfer rechter Gewalt seit 1991 in Sachsen. "Jeder dieser Menschen ist einer zu viel und zeigt, wie Rassismus in Deutschland tötet."

Der Mord an der Ägypterin hatte Entsetzen in Deutschland und Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Die Pharmazeutin hatte einen Mann wegen rassistischer Beleidigungen angezeigt. Als sie in der Berufungsverhandlung als Zeugin aussagte, erstach der Angeklagte sie. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

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