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Sachsen Rentzing geht Ende Oktober: Bischofswahl Ende Februar 2020

Carsten Rentzing. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa/Archivbild

(Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa/Archivbild)

Nach der Debatte um seine erzkonservative Haltung und Texte für eine rechte Zeitschrift will der Landesbischof zurücktreten. Die Kirchenleitung entspricht dem Wunsch - und ruft zur Einheit auf.

Dresden (dpa/sn) - Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens braucht einen neues geistliches Oberhaupt. Der wegen seiner Vergangenheit umstrittene Landesbischof Carsten Rentzing kann gemäß seines Wunsches aus dem Amt scheiden, nach Beschluss der Kirchenleitung endet sein Dienst am 31. Oktober, wie Synodalpräsident Otto Guse nach einer Sondersitzung des Gremiums am Montagabend in Dresden bekanntgab. Bis dahin werde der Landesbischof keine Aufgaben mehr übernehmen. Für den 29. Februar/1. März 2020 wurde eine Bischofswahl zur Bestimmung seines Nachfolgers terminiert.

Die Kirchenleitung habe den von Rentzing am 11. Oktober erklärten Verzicht auf das Amt nach langer und intensiver Beratung angenommen, wie Synodalpräsident Guse berichtete. Der Beschluss, es zur Verfügung zu stellen, sei basiere auf einer freien Entscheidung ohne Druck, schrieb Rentzing in einer Mail am 20. Oktober an das Landeskirchenamt. Er habe angesichts der öffentlichen Diskussionen um seine Person "keine Gewissheit, ob ich der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann". Auf Nachfrage hat er laut Guse bestätigt, dass es dabei bleibt.

Der als erzkonservativ geltende 52-Jährige, der seit 2015 Landesbischof ist, war wegen der Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung in die Kritik geraten. Zudem wurden von ihm als Student zwischen 1989 und 1992 verfasste Texte in der rechten Zeitschrift "Fragmente" und eine Rede in der Bibliothek der Konservatismus bekannt. Über Rentzings künftige Verwendung solle mit ihm nach seinem Urlaub gesprochen werden, sagte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach. "Es gibt keine Vorbehalte."

Die Kirchenleitung dankte Rentzing für sein Wirken, er habe sich in schwieriger Zeit "um die Einheit der Landeskirche verdient gemacht". Sie rief dazu auf, bei allen unterschiedlichen Positionen und Meinungen geschwisterlich und respektvoll miteinander umzugehen. Es gehe darum, mit- statt übereinander zu reden, sagte Guse. Die Landessynode werde zusammen mit dem Landeskirchenamt überlegen, welche Konsequenzen aus dieser Situation für das künftige Handeln gezogen werden müssen. Das Kirchenparlament wird laut Guse am 2. November auch darüber beraten, "was ist rechtsextrem und was ein wertkonservativer Christ". Es gehe um klare Abgrenzungen. "Das gab es bisher nicht und das ist meines Erachtens Teil des Problems."

In einer Online-Petition hatten Leipziger Christen von Rentzing eine Distanzierung "von den neuen Rechten" gefordert, die Initiatoren einer anonymen Pro-Rentzing-Petition hatten indes von einer "Schmutzkampagne" gegen den "letzten verbliebenen konservativen Bischof" in der EKD gesprochen.

Die Landeskirche habe sich stets gegen Rechtsextremismus und gegen Extremismus und Radikalismus jeglicher Form gewandt, betonte Landeskirchenamts-Präsident Vollbach. In ihr hätten sowohl konservative als auch liberale und linke Christen ihren Platz und seien aufgerufen, an der Einheit der Kirche mitzuwirken. Das sei schwierig und werde nicht ohne Kompromisse gehen.

Rund 150 Menschen hielten vor dem Landeskirchenamt, wo die Kirchenleitung tagte, eine Mahnwache für Rentzings Verbleib im Amt, mit Gesang und Kerzen. Dazu hatte die Sächsische Bekenntnisinitiative aufgerufen, die sich gegen homosexuelle Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus und die Segnung Homosexueller richtet, der Rentzing vor seiner Wahl zum Bischof als Pfarrer im Erzgebirge und Vogtland angehörte. Unter den Teilnehmern waren auch Politiker der AfD im Landtag. Die Fraktion hatte sich mit Rentzing solidarisiert und von einer "Hetzkampagne" gesprochen.

Pressemitteilung der Kirchenleitung

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