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Sachsen Studie: 11.000 Fachkräfte für Ganztagsbetreuung von Schülern

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra)

Sachsen erfüllt zwar den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, aber für welchen Preis? Eine Vollzeitkraft im Freistaat betreut rechnerisch fast neun Kinder mehr als eine in Westdeutschland. Für eine Angleichung fehlen rund 11.000 Fachkräfte.

Leipzig/Gütersloh (dpa/sn) - Sachsen hat ausreichend Fachkräfte, um bis Ende des Jahrzehnts jedem Grundschulkind ein Angebot zur Ganztagsbetreuung machen zu können. Damit diese Förderung personell auch so gut ausgestattet ist wie in Westdeutschland, müssten aber mehr als 11.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden. Das geht aus dem "Fachkräfte-Radar" für Kita und Grundschule der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) hervor. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nannte diese Forderung zum Personalschlüssel "völlig überzogen".

"Sachsen hat 2030 ein ausreichendes Fachkräfteangebot, um den Rechtsanspruch für alle Grundschulkinder zu erfüllen. Allerdings sind die Personalschlüssel in den Horten bislang deutlich schlechter als im westdeutschen Schnitt", sagte Kathrin Bock-Famulla, Expertin der Stiftung für frühkindliche Bildung, laut Mitteilung vom Dienstag. Es müssten jetzt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für bessere Personalschlüssel geschaffen werden, damit das zusätzliche Personal auch eingestellt werden könne.

Für die Personalausstattung legt der Rechtsanspruch keine bundeseinheitlichen Standards fest. Die Unterschiede sind gravierend: Während die Horte in Westdeutschland einen Personalschlüssel von 1 zu 6 aufweisen, liegt dieser im Osten bei 1 zu 14 und in Sachsen bei 1 zu 14,7. Eine Vollzeit-Fachkraft im Freistaat muss also rechnerisch fast neun Kinder mehr betreuen als in einem westdeutschen Hort.

Kultusminister Piwarz verwies darauf, dass eine Verbesserung auf 1 zu 6 fast 640 Millionen Euro zusätzlich kosten würde. 11.000 neue Vollzeitstellen entsprächen etwa 13.750 Erzieherinnen und Erzieher. So viele Fachkräfte gebe es auf dem Arbeitsmarkt gar nicht, sagte Piwarz. Dennoch seien Qualität und Personalschlüssel "weiter Thema im Kultusministerium" - auch wenn Bildungschancen nicht allein an der Personalausstattung festgemacht werden dürften.

"Die Untersuchung bestätigt die Erfahrungen, die Eltern, Kinder und pädagogische Fachkräfte in Horten täglich machen: Zu wenige Beschäftigte müssen sich um zu viele Kinder kümmern", sagte dagegen Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen. Dabei bleibe nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten auf der Strecke, dabei komme auch das einzelne Kind zu kurz.

In Sachsen nutzen 87 Prozent der Kinder im Grundschulalter ein Ganztagsangebot. Damit liegt Sachsen leicht über dem durchschnittlichen Wert der ostdeutschen Bundesländer von 83 Prozent, im Westen Deutschlands sind es 47 Prozent. Zudem besuchen in Sachsen 1 Prozent der Kinder ein Über-Mittag-Angebot, das bis etwa 14.30 Uhr zur Verfügung steht. Im ostdeutschen Durchschnitt sind es 3,5 Prozent, in westdeutschen Bundesländern 18 Prozent.

Quelle: dpa

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