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Sachsen Weiss kritisiert Umgang mit Ost-Forschern nach Mauerfall

Ex-Uni-Rektor Cornelius Weiss. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Leipzig (dpa/sn) - Cornelius Weiss, der von 1991 bis 1997 Rektor der Universität Leipzig war, hat 30 Jahre nach dem Mauerfall überstürzte Entlassungen und Vorurteile gegenüber ostdeutschen Wissenschaftlern kritisiert. "Es empört mich bis heute, dass Deutschland nach der Sternstunde seiner friedlichen Wiedervereinigung so schäbig mit seinen neuen Bürgern umging", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" (Montag). Mit mehr Einfühlungsvermögen hätte die Einheit seiner Meinung nach humaner ablaufen können.

Der 86-Jährige kritisierte, dass nach der Wiedervereinigung nur unzureichend geprüft wurde, welche "gewachsenen ostdeutschen Wissenschaftstraditionen und -strukturen erhaltenswert gewesen wären". So habe sich das Missverständnis gehalten, dass "DDR-Universitäten reine Lehranstalten und Kaderschmieden gewesen seien, an denen nicht geforscht wurde", obwohl an den Hochschulen "international respektierte Forschung" betrieben werden konnte.

In der Folge des politischen Umbruchs verloren viele Forscher ihre Jobs: "Ich rede nicht von jenen, die nach Einzelfallprüfung aus politisch-moralischen Gründen nicht tragbar waren. Allein in Sachsen wurde darüber hinaus der Hälfte von 24 000 an den Hochschulen Beschäftigten gekündigt, weil ganz einfach kein Geld da war."

LVZ-Interview mit Cornelius Weiss

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