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SachsenWie ein Moor neu zum Leben erweckt wird

09.06.2026, 13:53 Uhr
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Moore speichern CO2 und sind Refugien für Tiere und Pflanzen. Doch in Sachsen gibt es nur wenige naturnahe Moore. Tut Sachsen genug für ihren Schutz?

Auerbach (dpa/sn) - Heidelbeeren, Torfmoose, Libellen, aber auch Schlangen und vielleicht sogar Birkhühner - Förster Johannes Riedel kommt ins Schwärmen, wenn er sich dieses Waldstück in ein paar Jahren vorstellt. Zu sehen ist davon noch nicht viel. Alte Fichtenstümpfe ragen aus dem Boden, vereinzelt stehen einige Kiefern. An einer Stelle sind Arbeiter dabei, einen Graben mit Spundwänden zu schließen. Hier bei Auerbach im Vogtland wird einem alten Moor zu neuem Leben verholfen.

Ein vitales Moor gab es an diesem Standort bis ins 19. Jahrhundert. Dann wurde das Areal mit Gräben durchzogen und trocken gelegt. "Die Menschen haben damals den Torf als Brennstoff abgebaut und als Material für den Gartenbau", erzählt Riedel, der den Forstbezirk Eibenstock leitet. Auch wollten sie das Gebiet effektiver für die Forstwirtschaft nutzen und haben es mit Fichten bepflanzt. "Man war damals bester Absicht." Doch damit ging das wertvolle Biotop verloren.

Nur wenige Moore in Sachsen sind naturnah erhalten

So wie in diesem Waldstück erging es vielen Mooren hierzulande. Dabei sind sie nicht nur Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Weil sie langfristig CO2 binden, gewinnen sie neu an Bedeutung für den Klimaschutz. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gibt es in Sachsen etwa 47.000 Hektar Moore und organische Nassstandorte. Das entspreche 2,5 Prozent der Landesfläche. Doch nur ein Bruchteil sei tatsächlich naturnahes Moorökosystem. Viele Flächen seien in der Vergangenheit entwässert worden, um sie für Land- und Forstwirtschaft zu nutzen. So würden allein gut 11.000 Hektar Moorböden heute landwirtschaftlich als Grün- oder Ackerland genutzt.

Sachsens CDU-SPD-Koalition hat mit Blick auf den Umwelt- und Klimaschutz im Koalitionsvertrag vereinbart: "Wir werden für die sächsischen Moorflächen ein Konzept entwickeln, das die Reduktion von Netto-CO2-Emissionen, Ökosystemleistungen, Biodiversitätsschutz und landwirtschaftliche Produktion in Einklang bringt." Dazu soll für die Eigentümer und Nutzer der Grundstücke "eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive" geschaffen werden.

Dieses Konzept sei auf der Zielgeraden und solle Ende des Jahres veröffentlicht werden, informiert das Umweltministerium auf Anfrage. Es sei als Handlungsleitfaden gedacht und habe "fachlich empfehlenden Charakter". Konkrete Flächenziele würden darin nicht festgelegt. Zu den Knackpunkten bei der Revitalisierung von Mooren zählten komplexe Eigentumsverhältnisse, die Finanzierung solcher Projekte sowie Konflikte mit anderen Nutzungen - etwa mit der Landwirtschaft, aber auch dem Schutz von Trinkwasser, hieß es.

Mehr Anstrengungen zum Schutz der Moore gefordert

"Die Revitalisierung von Mooren ist ein Prozess, der viel Zeit benötigt", so das zuständige Landesamt. Generell verschlechtere sich der Zustand entwässerter Flächen den Experten zufolge weiter. "Wohingegen dort, wo Maßnahmen zur Wiedervernässung eingeleitet wurden, durchaus Anzeichen einer Stabilisierung beobachtbar sind."

Aktuelle Projekte zum Moorschutz gebe es etwa in der Mothäuser Heide im Erzgebirge und im Dubringer Moor (Landkreis Bautzen). "Außerdem sind gerade mehrere Projektanträge über die Bundesförderrichtlinie "1.000 Moore" in Vorbereitung und sollen finanzielle Ressourcen für neue Projekte bereitstellen", betont Sprecherin Karin Bernhardt. Das Landesamt biete seit diesem Jahr eine neue Beratungsstelle an. Das Projekt Moorbodenschutz in den Moorregionen Sachsens (MoSa) berate öffentliche, private und verbandliche Akteure, die im Moorschutz aktiv werden wollten. Es läuft bis Ende 2032.

Der Umweltverband BUND fordert allerdings insgesamt mehr Anstrengungen zum Schutz der Moore. "In Sachsen und Deutschland geht der Moorschutz bisher nicht über einzelne Modellprojekte hinaus", kritisiert der Vorsitzende des BUND Sachsen, Felix Ekardt. "Nötig wäre, einen wesentlichen Teil der Flächen wiederzuvernässen, sowohl etwa in den Lausitzer Niedermooren als auch in den erzgebirgischen Hochmooren."

Forstgebiet wird in Moorbiotop zurückverwandelt

In Sachsens Wäldern gibt es aktuell etwa 586 Hektar reine Moorbiotope, wie der Staatsbetrieb Sachsenforst auf Anfrage informiert. Die Fläche soll wachsen. Dazu zählt auch die Renaturierung des "Moors am Roten Fluss" im Quellgebiet des Vogtlandsees. Vier Jahre wurde das Projekt vorbereitet, die Kosten belaufen sich auf gut 260.000 Euro, erklärt Forstbezirksleiter Riedel. Seit Anfang Mai sind nun Bagger im Einsatz, um die alten Entwässerungsgräben an 100 Stellen mit Plomben und Spundwänden zu versperren. Ziel sei, den Abfluss von Regen- und Tauwasser zu verhindern. Denn Hochmoore werden aus Niederschlägen gespeist.

Das renaturierte Moor soll künftig auch helfen, besser mit den Klimaveränderungen klarzukommen. "Bei Starkregen wirkt es wie ein Schwamm. Es kann große Mengen Niederschlag aufnehmen und gibt sie nach und nach ab", erklärt Riedel. So diene es für die umliegenden Wälder auch als gigantischer Wasserspeicher für Dürrezeiten.

Mit dem Anstauen des Wassers soll zunächst verhindert werden, dass das alte Moor weiter stirbt. Der Förster sticht mit einem langen Rohr in den Boden und misst: Rund einen Meter ist die Torfschicht hier noch dick, an anderen Stellen sei sie komplett verschwunden, erklärt er. Künftig soll wieder neuer Torf entstehen - vor allem durch absterbendes Moos. Doch das ist ein langwieriger Prozess. Riedel: "Die Torfschicht wächst nur etwa einen Millimeter pro Jahr."

Quelle: dpa

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