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Sachsen Zwickauer OB von Internationalem Auschwitz Komitee geehrt

Oberbürgermeisterin von Zwickau, Pia Findeiß (SPD), auf der Gedenkveranstaltung für Opfer des NSU. Foto: Peter Endig/zb/dpa/Archivbild

(Foto: Peter Endig/zb/dpa/Archivbild)

Angela Merkel, Papst Franziskus oder Shimon Peres - nun auch Pia Findeiß: Als erste Kommunalpolitikerin überhaupt ehren Überlebende des Holocausts die Zwickauer Stadtchefin mit der "Statue B". Auch anderen Kommunalpolitikern wird damit gedacht.

Zwickau (dpa/sn) - Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) ist am Dienstag vom Internationalen Auschwitz Komitee (IAK) für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus geehrt worden. "Sie stehen damit in einer Reihe mit vielen Kommunalpolitikern, die durch rechten Hass im Netz und auf der Straße bedroht und eingeschüchtert werden sollen", sagte Komitee-Vizepräsident Christoph Heubner bei der Übergabe der Auszeichnung "Statue B" in Zwickau. Wer Menschen in der Kommunalpolitik bedrohe oder, wie im Fall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), töte, lege die Hand an die Wurzel der Demokratie.

Freudig und sichtlich gerührt nahm die Stadtchefin den Preis in Empfang - stellvertretend für alle Menschen, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzten, sagte Findeiß. Sie ist die erste Kommunalpolitikerin, die mit dem seit 2010 vergebenen Preis vom IAK ausgezeichnet wurde. Zu den früheren Preisträgern gehören etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, Papst Franziskus, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Prinz Charles sowie zuletzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Die Statue ist dem Buchstaben "B" im Schriftzug "Arbeit macht frei" am Tor des früheren nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz nachempfunden. Häftlinge hatten den Buchstaben beim Schmieden des Schriftzugs verkehrt herum angebracht. Es sei ein Akt des Widerstands gewesen: von den SS-Leuten unbemerkt, doch für die KZ-Häftlinge ein Symbol, das ihnen Kraft gegeben habe, sagte Heubner.

Es sei an der Zeit aufzustehen, wenn Wahrheiten bagatellisiert und damit Opfer verhöhnt würden, betonte Findeiß. "Nazis sind wieder oder noch immer unter uns." Das zeigten der Mord an Lübcke, der seinen Einsatz für Artikel 1 des Grundgesetzes mit dem Leben habe bezahlen müssen, die Anschläge von Halle, aber auch das Umsägen des Gedenkbaums für das erste NSU-Opfer in Zwickau. Umso wichtiger sei das Erinnern.

Sachsens Staatsministerin Petra Köpping (SPD) gratulierte Findeiß zu der Auszeichnung, die Anerkennung und Ansporn zugleich sei. Die Ehrung zeige, dass das Engagement für Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft niemals umsonst sei.

Auschwitz Komitee

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