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Thüringen Anklage fordert acht Jahre Haft für Ex-Feuerwehrmann

Dem angeklagten Ex-Feuerwehrmann werden im Gerichtssaal die Handfesseln abgenommen. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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Schon zum Prozessauftakt hatte er gestanden: Einem früheren Feuerwehrmann drohen wegen einer Serie von Brandstiftungen mehrere Jahre Haft. Was hat den jungen Mann angetrieben?

Gera (dpa/th) - Für den mutmaßlichen Serienbrandstifter von Großenstein hat die Anklage acht Jahre Haft gefordert. Der frühere Feuerwehrmann sei für fünf Brände zu verurteilen, erklärte am Montag Staatsanwalt Martin Zschächner in seinem Plädoyer am Landgericht Gera. Der 22-Jährige sei bei den Taten alkoholisiert gewesen, aber nicht so stark, dass eine verminderte Schuldfähigkeit in Betracht komme. Dem widersprach Verteidiger Stephan Rittler, der zudem die Unterbringung seines Mandanten in einer Entziehungsanstalt beantragte. Das genaue Strafmaß stellte er ins Ermessen des Gerichts.

Der junge Mann hatte zum Prozessauftakt gestanden, mehrere Brände in Großenstein bei Gera gelegt zu haben. Dabei sei er stark betrunken gewesen. "Ich bereue die Taten aufrichtig", betonte er nun erneut in seinem Schlusswort vor Gericht.

Zu den schwersten Bränden, die dem jungen Mann angelastet werden, gehören zwei im Juni dieses Jahres: Zunächst soll er Mitte des Monats eine Lagerhalle, in der ein Agrarbetrieb Heu und Stroh deponiert hatte, angezündet haben. Eine Woche später brannte ein Sportlerheim nieder. Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 200 000 Euro beziffert, verletzt wurde niemand. Im Anschluss hatte der Angeklagte seinen Kameraden der Feuerwehr jeweils beim Löschen geholfen.

Aus medizinischer Sicht sei sein Steuerungsvermögen bei den Taten eingeschränkt gewesen, sagte die psychiatrische Gutachterin vor Gericht. Zudem sei er alkoholabhängig. Berechnungen zufolge soll er bei einigen der Taten mehr als zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Dies habe enthemmend gewirkt, erklärte die Expertin.

Handlungsleitend für die Brandstiftungen sei aber vielmehr eine vorübergehende psychische Störung infolge von Konflikten etwa mit dem Vater und seiner Freundin sowie infolge seines Bundeswehrdienstes gewesen. Das Legen von Bränden habe sich bei ihm zu einer Strategie entwickelt, seine Affekte zu regulieren, erläuterte die Expertin: "Er bedarf psychotherapeutischer Hilfe."

Die 3. Strafkammer des Geraer Landgerichts will am Dienstag ihr Urteil verkünden.

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