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Thüringen Club-Betreiber hegen vage Hoffnung auf Teilöffnung im Sommer

Benjamin-Immanuel Hoff spricht im Landtag. Foto: Michael Reichel/dpa

(Foto: Michael Reichel/dpa)

Musiker standen zuletzt höchstens für Live-Streams auf den Bühnen und das Publikum holt nun Burger ab: Musikclubs versuchen sich mit Corona zu arrangieren. Freude bereitet das nicht. Dafür gab es aber jüngst ein Signal aus Berlin, das auch die Thüringer Szene positiv wertet.

Erfurt/Jena (dpa/th) - Vertreter der Thüringer Clubkultur setzen Hoffnung darauf, nach langem Corona-Aus ab Sommer zumindest im Außenbereich ihrem Publikum wieder Angebote machen zu können. "Ich bin guter Dinge, dass wir im Juli zumindest ein kleines Festival in einem Außenbereich veranstalten können", sagte etwa Mark Wollgast, Vorstandsvorsitzender des Vereins Cosmic Dawn, der in Jena im KuBa einen eigenen Club betreibt. Mit Abstands- und Hygieneregeln sollte das Festival möglich sein. Allerdings: "Statt der möglichen 2000 Leute auf der Fläche, werden es dann wohl nur 200 sein."

Seit 13 Monate habe es im Club selbst coronabedingt keine Veranstaltungen mit Publikum mehr gegeben, sagte Wollgast. Lange ging es hin und her, ob der ehrenamtliche Verein überhaupt die staatliche Corona-Hilfe erhalten könne. Inzwischen habe sich die Situation verbessert, auch sie erhielten Unterstützung. "Es wäre aber auch wichtig, dass klare Konzepte geliefert werden würden, wie Clubs sinnvoll wieder öffnen können." Der Aufwand müsse sich dann auch lohnen, sagte Wollgast.

Auch der Geschäftsführer vom Kalif Storch in Erfurt, Hubert Langrock, erklärte, dass Vorbereitungen für die Öffnung des Außenbereichs im Sommer liefen. Dabei würde es aber um Barabende gehen. "Aber wir sind ein Club und leben eigentlich von Live-Musik, von tanzenden Menschen." Wann solche Events gerade in den Innenräumen wieder möglich sein werde, sei nur schwer einzuschätzen, sagte Langrock.

Langrock sieht auch Öffnungskonzepte skeptisch, die auf Registrierung zur Kontaktnachverfolgung setzen. "Was passiert mit den ganzen Daten? Beeinflusst das dann nicht, wenn klar ist, dass registriert wird, wer wann wohin geht?" Die Ausgeh-Kultur sei immerhin auch ein Abtauchen aus dem System. Dabei seien manche junge Menschen durch die Pandemie noch gar nicht dazu gekommen, diese Kultur zu erleben: "Es gibt Studenten, die seit drei Semestern hier studieren und die noch nicht einmal weg waren."

Gerade das studentische Publikum werde in Zukunft ohnehin schwieriger zu erreichen sein, mutmaßte Langrock. "Die Club-Landschaft wird nach der Pandemie teurer werden, aber das Publikum hat nicht unbedingt mehr Geld zur Verfügung." Gerade Studenten überlegten es sich sicher zwei Mal, ob sie ausgehen. Den Preisanstieg sieht Langrock deshalb komme, da er davon ausgeht, dass Dienstleister teurer werden. Sie müssten etwa Techniker mit mehr Geld locken, die der Pandemie wegen sich in anderen Bereichen ein neues Standbein gesucht haben.

Schon seit Längerem hat in Erfurt dagegen wieder die Franz Mehlhose geöffnet. Allerdings nicht fürs Live-Musik-Publikum. "Wir sind in einer Luxussituation dadurch, dass wir eine Küche haben und Burger zum Mitnehmen anbieten können", sagte Teilinhaber Philip Neues. Das sei die beste Variante, um weiter öffnen, die Angestellten behalten und den Menschen zumindest eine Anlaufstelle bieten zu können.

"Als Veranstalter möchte man eigentlich Leute zusammenbringen - aber die Pandemie-Dynamik wollen wir nicht voranbringen", sagte Neues, der eigentlich auch die Veranstaltungen der "Mehlhose" plant. Bald mehr Klarheit wünscht er sich darüber, wie etwa Konzerte wieder möglich werden können, welche Teststrategien gefahren werde sollen. "Das Impfen geht ja seit einigen Wochen voran, das bringt auch Hoffnung."

Einig sind sich Neues, Langrock und Wollgast derweil, dass die Politik zuletzt auch einen richtigen Schritt gewagt hat, um der Club-Kultur generell mehr Wertschätzung entgegen zu bringen: Der Bundestag hatte die Bundesregierung aufgefordert, Musikclubs künftig als Anlagen kultureller Zweck einzustufen.

Kommt die Regelung so, würden Clubs nicht mehr wie bisher rechtlich mit Spielhallen und Bordellen gleichgesetzt, sagte Neues. "Das ist überholt, wir sind ja keine Spelunken, wo nur nebenbei Musik dudelt." Wollgast sieht mögliche Vorteile bei Flächennutzungsplänen: Bestehende Musikclubs könnten dann möglicherweise künftig besseren Schutz haben, wenn auf deren Arealen gebaut werden soll. Auch Langrock sagte, dass damit für Clubs etwa das Thema Lärmbelästigung eine nicht mehr so große Rolle spielen könnte.

Thüringens Kultur- und Bauminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) hatte bereits angekündigt, den Vorstoß zu unterstützen. "Damit wird der große Beitrag gewürdigt, den die Musikclubs zum soziokulturellen Leben und zur vielfältigen Stadt- und Gemeindeentwicklung leisten." In vielen Fällen sei eine lebendige Clubkultur auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinden, so Hoff.

© dpa-infocom, dpa:210514-99-592493/4

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