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Thüringen Corona: Weniger Teilnehmer bei Sprachkursen für Geflüchtete

Ein Geflüchteter aus Syrien bei einem Sprachkurs in einem Bildungszentrum in Erfurt. Foto: arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Vor einigen Jahren hat Thüringen eigene Sprachkurse für Geflüchtete aufgelegt. Tausende Menschen haben mittlerweile teilgenommen, der Freistaat hat mehrere Millionen Euro dafür ausgegeben. Zuletzt waren die Kurszahlen aber rückläufig - vor allem aus einem Grund.

Erfurt (dpa/th) - Die Corona-Krise hat sich auch deutlich auf Sprachkurse für Geflüchtete in Thüringen ausgewirkt: Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der sogenannten Start-Deutsch-Kurse gewachsen war, sei sie im Pandemiejahr 2020 deutlich gesunken, sagte ein Sprecher des Migrationsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Habe es 2019 noch fast 130 solcher Lernangebote gegeben, seien es 2020 thüringenweit nur noch 88 gewesen. "In der Zeit des Lockdowns wurden keine neuen Kurse gestartet", sagte der Ministeriumssprecher. Dies sei allerdings nur ein Grund dafür, dass die Zahl der Kurse und der Teilnehmer zuletzt rückläufig gewesen sei. Dies sei bedauerlich, da das Start-Deutsch-Programm sehr gut angenommen worden sei. "Ein klasse Projekt mit guter Entwicklung", sagte er.

Das Landesprogramm "Start Deutsch" war 2016 aufgelegt und in die Trägerschaft des Thüringer Volkshochschulverbandes gegeben worden. Migranten können innerhalb dieses Programms Sprachkurse belegen, die sie auf die Leistungsniveaus A1, A2 und B1 bringen sollen. Die Kurse stehen solchen Geflüchteten offen, die nicht an einem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bezahlten Integrationskurs teilnehmen dürfen. Nach Ministeriumsangaben können unter anderem solche Menschen nicht an vom BAMF geförderten Kursen teilnehmen, die sich noch im Asylverfahren befinden, beziehungsweise die keine dauerhafte Bleibeperspektive haben.

Der Ministeriumssprecher sagte, weitere Gründe für den Einbruch bei den Kurs- und Teilnehmerzahlen seien, dass die Kursveranstalter mancherorts keine ausreichend großen Räume hätten, um dort unter Einhaltung von Hygieneregeln in Präsenz zu unterrichten. Gleichzeitig zeige sich, dass es teils nicht möglich sei, die Kurse online anzubieten. Es fehle dafür etwa an schnellen Internetverbindungen oder den digitalen Kompetenzen der Teilnehmer. "Hinzu kommen Verständigungsprobleme auf den niedrigeren Sprachstufen wie Alpha-, A1- bis hin zum A2-Sprachniveau", so der Sprecher.

Im Jahr 2016 hatten während der Pilotphase nach Ministeriumsangaben 635 Menschen an den Kursen teilgenommen. Die jährliche Teilnehmerzahl war schließlich auf bis zu fast 2200 Menschen im Jahr 2019 gestiegen. 2020 hatten dann noch etwa 1400 Flüchtlingen am Start-Deutsch-Projekt teilgenommen. Insgesamt sei über diese Kurse bis 2020 etwa 7500 Menschen die deutsche Sprache näher gebracht worden, hieß es.

Thüringens stellvertretende Beauftragte für Integration, Annett Roswora, sagte, es sei wichtig, das Landesprogramm auch und gerade in der Corona-Krise weiter aufrecht zu erhalten. Der ohnehin aktuell besonders schwierige Integrationsprozess der Menschen drohe sonst noch weiter ausgebremst zu werden. Solange die Menschen nicht über die nötigen Deutschkenntnisse verfügten, könnten sie auch keine weiterführenden Qualifizierungsangebote annehmen. "Hier tun sich bereits erste Lücken auf, berichten uns Bildungsträger", so Roswora.

Um die Start-Deutsch-Kurse zu ermöglichen, hat der Freistaat nach Angaben des Migrationsministeriums zwischen 2016 und 2020 etwa 6,4 Millionen Euro an die Volkshochschulen gezahlt. Im laufenden Jahr seien dafür etwa zwei Millionen Euro bewilligt worden.

© dpa-infocom, dpa:210509-99-525682/2

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