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Thüringen Handwerk: Land soll bei Meisterprämie großzügiger sein

Ein junger Mann hält seinen Meisterbrief in den Händen. Foto: Britta Pedersen/zb/dpa

(Foto: Britta Pedersen/zb/dpa)

Im Gegensatz zu Hochschulabsolventen müssen Handwerksmeister für ihre Ausbildung selbst bezahlen. Thüringens Handwerkstag wünscht sich mehr Anerkennung für junge Meister, die angesichts des anstehenden Generationswechsels dringend gebraucht werden.

Erfurt (dpa/th) - Thüringens Handwerksorganisation lässt nicht locker und drängt auf Nachbesserungen bei der vom Land gezahlten Meisterprämie. Diese Prämie von 1000 Euro würde nur für die Jungmeister mit den jeweils besten Abschlüssen in ihren Gewerken gezahlt, sagte der Geschäftsführer des Thüringer Handwerkstags, Thomas Malcherek, der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Das seien nur einige Dutzend pro Jahr und ein geringer Betrag für das Land. Das Handwerk fordere, dass die Prämie jeder erhält, der die Meisterprüfung besteht.

Das seien jährlich etwa 400 bis 450 Meister - und ein noch immer überschaubarer Betrag für das Land. "Wir können uns da auch noch mehr vorstellen." In einigen anderen Bundesländern würden mehrere Tausend Euro gezahlt. Die Prämie könnte beispielsweise auch so gestaltet werden, dass sie ein Anreiz zur Eröffnung oder Übernahme eine Handwerksbetriebes darstelle. Malcherek verwies darauf, dass Meister ihre einige Tausend Euro teure Ausbildung selbst bezahlen müssten, Hochschulabsolventen hätten in der Regel nichts zu zahlen.

Der Kammergeschäftsführer sagte: "Es geht dabei gar nicht so sehr um das Geld, viel mehr um die Wertschätzung, die Handwerksmeistern entgegen gebracht wird." Nach seinen Angaben sind in ländlichen Regionen Meister und Betriebsnachfolger in den kommenden Jahren sogar in so gut laufenden Branchen wie Metall/Elektro rar. "In fünf Jahren sind im Kammerbereich Erfurt in den ländlichen Regionen 40 Prozent der Betriebsinhaber in diesen Gewerken 60 Jahre und älter."

Als Folge der zwischen 2006 und 2012 stark gesunkenen Zahl an Azubis im Handwerk gebe es jetzt eine deutlich verringerte Zahl an Meisteranwärtern. Im Kammerbezirk Erfurt seien es beispielsweise nur noch jährlich rund 200 - etwa halb so viele wie noch vor einigen Jahren. Malcherek kündigte an, dass die Handwerkskammern in Erfurt, Gera und Suhl das Gespräch mit der neuen Landesregierung über Verbesserungen bei der Meisterprämie suchen würden, sobald sie im Amt sei. "Wir bohren weiter."

Die Zahl der Gewerke mit Meisterpflicht steigt nach einer Bundesregelung jetzt wieder um zwölf. Dazu gehören Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, oder Orgel- und Harmoniumbauer. Mit der Reform der Handwerksordnung war die Meisterpflicht im Jahr 2004 in mehr als 50 Berufen weggefallen.

Das Thüringer Handwerk ist einer der größten Arbeitgeber im Freistaat. Die knapp 30 000 Betriebe beschäftigen nach Zahlen der Kammern etwa 151 500 Menschen. Die Beschäftigtenzahl ist dank der guten Konjunktur seit 2017 relativ konstant.

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