Regionalnachrichten

Thüringen Innenminister: Rechtsextremistische Gewalt gegen Ausländer

dpa_Regio_Dummy_Thueringen.png

Sie wurden in Erfurt brutal angegriffen und verletzt - junge Männer aus einem afrikanischen Land. Die mutmaßlichen Täter, die wahrscheinlich aus der rechten Szene kommen, sind zum Ärger des Innenministers wieder auf freiem Fuß.

Erfurt (dpa/th) - Drei Männer aus Guinea sind in Erfurt Opfer eines rassistisch motivieren Angriffs geworden. Zwei von ihren wurden in der Nacht zum Samstag verletzt, darunter ein 21-Jähriger schwer. Sein Zustand soll zeitweise kritisch gewesen sein. Die Polizei sprach von einem "fremdenfeindlichen Übergriff". Innenminister Georg Maier (SPD) schrieb auf Twitter: "Ich bin schockiert! Erneut rechtsextreme Gewalt in Erfurt. Bin in Gedanken bei den Opfern." Die Tat geschah vor einem bekannten Treffpunkt der rechten Szene.

Der Vorfall zeige eine steigende Gewaltbereitschaft in rechtsextremistischen Strukturen, so der Minister. Diese Einschätzung teilte auch die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss.

Zwölf mutmaßliche Täter, die die Polizei vorläufig festgenommen und zeitweise in Gewahrsam genommen hatte, wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Haftbefehle seien nicht beantragt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt am Sonntag auf Anfrage. Es lägen keine Haftgründe vor - das seien unter anderem Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Die Ermittlungen gegen die Verdächtigen liefen weiter.

Maier twitterte nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft: "Die Nazi-Schläger von Erfurt laufen alle wieder frei rum. Ich weiß, dass es mir nicht zusteht, die Justiz zu kritisieren. Aber für die Opfer und die Menschen am Herrenberg ist das eine Katastrophe." Herrenberg heißt das Plattenbaugebiet im Erfurter Südosten, wo sich die Tat nachts gegen 3.00 Uhr vor dem Treffpunkt der rechten Szene ereignet hatte. Die Angreifer hielten sich laut Polizei davor auf.

Die "dreiköpfige Gruppe ausländischer Mitbürger" sei von zehn bis zwölf Deutschen verbal und danach tätlich angegriffen worden, erklärte die Polizei. Die beiden Verletzten wurden im Krankenhaus versorgt. Der Schwerverletzte soll eine Kopfverletzung erlitten haben. In die Ermittlungen wurde unter anderem das Landeskriminalamt eingeschaltet. Die Polizei forderte Zeugen auf, sich zu melden.

In Thüringer Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass sich in dem Szenetreff, vor dem der Angriff erfolgte, auch Mitglieder oder Sympathisanten der rechtsextremistischen Kleinstpartei Dritter Weg regelmäßig aufhalten. Die Polizei äußerte sich dazu nicht.

Die Linke-Landtagsabgeordnete König-Preuss sprach von einer vermehrten Aktivität von Neonazis. Es sei bereits der zweite massive Neonazi-Übergriff in Erfurt innerhalb weniger Wochen, erklärte sie. Der Dritte Weg bietet nach ihren Angaben Kampfsporttraining für militante Neonazis sowie für Kinder und Jugendliche an.

"Das Ziel ist, wie sich heute Nacht erneut zeigte, Menschen zu verletzen und eine Atmosphäre der Angst zu schaffen", äußerte König-Preuss, die Sprecherin für Antifaschismus und Antirassismus der Fraktion ist. Es sei an der Zeit, dem Einhalt zu gebieten. Ein Verbotsverfahren gegen den Dritten Weg sei überfällig.

König-Preuss forderte zudem auf Twitter, den Opfern rechter Gewalt ein Bleiberecht in Thüringen zu geben. Der Innenpolitiker der CDU-Landtagsfraktion, Raymond Walk, verlangte ebenfalls auf Twitter eine umfassende Aufklärung zum Tatmotiv.

In Thüringens Landeshauptstadt protestierten am Samstag hunderte Menschen gegen Rechtsextremismus und Übergriffe der rechten Szene. Die Polizei und die Veranstalter sprachen von etwa 400 Teilnehmern. Hintergrund war ein Vorfall am vorletzten Juli-Wochenende auf einer Grünfläche vor der Staatskanzlei, bei dem eine Gruppe Jugendlicher angegriffen und verletzt wurde. Einige der Angreifer haben nach Angaben der Ermittlungsbehörden einen rechtsradikalen Hintergrund. Die Ermittlungen dazu laufen ebenfalls noch.

Newsticker