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Thüringen Keine Tests mehr? Kinder mit Symptomen sollen zum Arzt

Helmut Holter (Linke) sitzt im Thüringer Landtag. Foto: Michael Reichel/dpa/Archivbild

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Rund 42 Millionen Euro hat Thüringen bisher in Corona-Tests an Schulen gesteckt. Damit soll nach dem Willen von Bildungsminister Holter bald Schluss sein. Nur noch Kinder mit Symptomen sollen getestet und zum Arzt geschickt werden.

Erfurt (dpa/th) - Bereits die Abschaffung der Testpflicht in Schulen hatte für Kritik gesorgt, nun will Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) Corona-Tests bei niedrigen Inzidenzen ganz aus den Schulen verbannen. "Kinder und Jugendliche sind nicht diejenigen, die besonders gefährdet sind, sie gehören nicht zu den vulnerablen Gruppen. Deswegen sollten wir uns nach meiner Auffassung auf die konzentrieren, die Symptome zeigen", sagte Holter der Deutschen Presse-Agentur. Er sei dafür, das Testangebot an Thüringer Schulen noch zwei Wochen nach den Sommerferien aufrecht zu erhalten. Danach sollten aber nur noch jene getestet werden, die Symptome zeigen.

"Das sollte nach meiner Auffassung dann aber nicht mehr die Schule machen, sondern das muss vom Gesundheitsamt dann angewiesen werden", sagte Holter. Dabei seien dann die Kinder- und die Hausärzte gefragt. Nach einem positiven Schnelltest müsse ohnehin ein PCR-Test gemacht werden, der auch bisher nicht in der Schule möglich war.

Bis Ende Juni hatte es in Thüringen noch eine Testpflicht gegeben. Schüler, die sich nicht regelmäßig testen wollten, durften die Schule nicht betreten und mussten zu Hause lernen. Holter schaffte gegen anhaltende Widerstände auch aus den Reihen von Rot-Rot-Grün diese Testpflicht ab.

Vor allem die Fraktionen von SPD und Grünen hatten das Vorgehen kritisiert. Der Bildungsminister argumentierte, es sei entscheidend, dass nun alle Schüler in die Schulen zurückkehrten und Präsenzunterricht bekämen. Ursprünglich sollte aber ein freiwilliges Testangebot an den Schulen bestehen bleiben, nun soll das nach dem Willen von Holter nur noch für die ersten zwei Wochen im kommenden Schuljahr der Fall sein.

In diese Überlegung seien auch die Kosten mit einbezogen worden. "Geld spielt immer eine Rolle", sagte Holter. Man habe in Thüringen von Mai bis zum Beginn der Sommerferien rund 42 Millionen Euro für Tests ausgegeben. "Würden wir das Testsystem jetzt weiter so fortführen, dann schätze ich, dass wir nahe an 100 Millionen Euro dieses Jahr insgesamt kommen würden", sagte Holter. Für das Jahr 2022 müsse man dann noch einmal von 100 Millionen Euro Kosten ausgehen. "Deswegen ist es auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit, in welchem Umfang getestet wird und wie viel Geld der Freistaat insgesamt dafür ansetzen will."

Holter geht für den Herbst von drei möglichen Szenarien aus: Bleibt die Inzidenz niedrig, soll das Testangebot direkt in den Schulen wegfallen. "Ich möchte auch die Verantwortung von den Lehrern nehmen", sagte Holter. In einem zweiten Szenario sei denkbar, dass es an einzelnen Schulen zu Infektionsausbrüchen komme. In diesem Fall müsse das jeweilige Gesundheitsamt entscheiden, was zu tun ist und wer in Quarantäne gehen muss. Dabei könnten Tests auch eine Rolle spielen.

In einem dritten Szenario könnte es hohe Inzidenzen in einem Landkreis oder in ganz Thüringen geben. Auch dann sollten Schulen geöffnet bleiben, sagte Holter. "Dann müssen wir natürlich Infektionsschutzmaßnahmen einleiten: Dazu können feste Gruppen gehören, dazu kann auch Wechselunterricht gehören und das Maskentragen im Unterricht. Dazu kann auch ein Testsystem gehören", sagte Holter.

© dpa-infocom, dpa:210802-99-659012/3

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