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Thüringen LKA-Beamte werteten rund 32 Terabyte Kinderpornos aus

Georg Maier (SPD), Innenminister von Thüringen, während eines Pressetermins. Foto: Jens-Ulrich Koch/Archivbild

(Foto: Jens-Ulrich Koch/ZB/dpa)

Die Digitalisierung stellt Ermittler im Thüringer Landeskriminalamt vor große Herausforderungen. Kriminelle entdecken zunehmend das Internet und die Möglichkeiten im Darknet für sich. Doch Innenminister Georg Maier (SPD) sieht auch neue Möglichkeiten.

Erfurt (dpa/th) - Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sieht in der Digitalisierung eine der größten Herausforderungen für die Polizei. "Wir treten in ein ganz neues Zeitalter was die Bekämpfung von Kriminalität anbelangt", sagte Maier am Donnerstag bei der Vorstellung der Arbeit von Cybercrime-Spezialisten im Thüringer Landeskriminalamt (LKA). Die Ermittler stünden in einem technologischen Wettkampf mit Kriminellen.

Maier betonte aber, dass die Digitalisierung auch Möglichkeiten für die Polizei bei Ermittlungen biete - etwa mithilfe legal gesammelter Daten. So könne die Polizei präventiv einzugreifen. Als Beispiel nannte er Wohnungseinbrüche.

Im Dezernat Cybercrime arbeiten derzeit 20 Spezialisten. Zu ihren Aufgaben gehören neben Betrug im Internet auch Ermittlungen zu Kinder- und Jugendpornografie im Netz. Anders als in anderen Bundesländern werden Daten zu Kinder- und Jugendpornografie in Thüringen zentral vom Dezernat Cybercrime ausgewertet. Externe Gutachter kommen nach Angaben des Dezernatsleiters Manuel Nolte nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Zwar filtere eine Software Bilder und Videos, die bereits von früheren Ermittlungen bekannt seien. Dennoch müssten viele Daten händisch durchgesehen werden. "Das ist natürlich eine hohe psychische Belastung", sagte Nolte. Maier betonte, das dabei auch auf die Gesundheit der Beamten geachtet werden müsse.

Im vergangenen Jahr werteten die Spezialisten allein im Bereich Cybercrime rund 12 Millionen Bilder und 170 000 Videos aus. Laut der Statistik des LKA bewältigten sie eine Datenmenge von 32 Terabyte.

LKA-Präsident Jens Kehr machte klar, dass der digitale Wandel auch die Dienststellen der Polizei betreffe. "Auch die Kollegen in den Dienststellen müssen in die Lage versetzt werden, digitale Ermittlungen zu führen", sagte Kehr. Als Beispiel nannte er unter anderem Ermittlungen zu Beleidigungsdelikten im Internet. "Wir erleben eine Digitalisierung der Gesellschaft und der Kriminalitätsphänomene. Das kann kein Bereich sein, den das LKA allein bearbeitet", sagte Kehr.

Außerdem sprach sich der LKA-Präsident dafür aus, die Dezernate Cybercrime und IT-Forensik weiter auszubauen. Im Bereich der IT-Forensik sichern die Ermittler unter anderem Daten von beschädigten oder passwortgeschützten Geräten. Teils werden dafür Chips von Leiterplatten gelöst oder eigene Software kreiert, um an die Daten für die Ermittlungen zu kommen. Im Dezernat IT-Forensik arbeiten acht Spezialisten.

Maier hob die Bedeutung von Kooperationen zwischen den einzelnen Bundesländern hervor. "Wir dürfen das nie länderspezifisch betrachten - gerade das Phänomen Cybercrime. Da ist es ganz wichtig, dass die Polizeien bundesweit gut zusammenarbeiten", sagte der Minister.

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