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Thüringen Leute müssen in vielen Regionen auf kostenlose Tests warten

Eine Mitarbeiterin in einem Testzentrum hält ein Stäbchen für einen Rachenabstrich in der Hand. Foto: Christophe Gateau/dpa

Kostenlose Tests ja, aber wie soll das genau ablaufen? Noch gibt es einige Fragen zu den vom Bund angekündigten Möglichkeiten, dass sich alle kostenlos einmal in der Woche auf Corona testen lassen können. In Thüringen droht ein Flickenteppich.

Erfurt (dpa/th) - Die Umsetzung der vom Bund angekündigten kostenlosen Corona-Tests für alle wird in Thüringen von Kommune zu Kommune wohl recht unterschiedlich ausfallen. Denn die Landkreise und kreisfreien Städte werden selbst entscheiden, wie sie dabei konkret vorgehen, hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium.

Das Land unterstützt sie mit einer Rahmenvereinbarung, die mit Ortsverbänden des Deutschen Roten Kreuz (DRK) unterzeichnet wird. Die können dann etwa beim Aufbau von Testzentren helfen. In manchen Kommunen wäre aber auch eine Zusammenarbeit mit Drogerieketten denkbar. Wer die Schnelltests für das Land bestellt, blieb am Montag noch offen. "Vieles ist im Fluss", sagte eine Ministeriumssprecherin. Im Laufe der Woche soll es mehr Klarheit geben.

Die CDU-Fraktion forderte die Landesregierung zu Wochenbeginn auf, die Bestellungen der Tests auf den Weg zu bringen. "Das Kabinett Ramelow muss jetzt handeln. Das heißt konkret: Bestellen und parallel Konzepte erarbeiten. Schließlich ist es die Landesregierung, die in ihrer aktuellen Corona-Verordnung für viele Bereiche Tests vorschreibt", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Christoph Zippel. Auch in anderen Bundesländern verlief der Start der Schnelltest-Offensive am Montag holprig.

Das Landratsamt Sömmerda teilte am Montag mit, dass der DRK-Kreisverband Sömmerda/Artern sowie der ASB Kreisverband Sömmerda die Umsetzung der Schnelltests für den Landkreis ab 15. März übernehmen. Am Donnerstag sollte bekanntgegeben werden können, wo und zu welchen Zeiten Tests möglich sein werden. Spätestens bis dahin fordert Landrat Harald Henning (CDU) von der Landesregierung Aussagen zu Bezahlung und Beschaffung der Tests.

Derweil hatte sich nach einigen Patientenanfragen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen am Montag gezwungen gefühlt, darauf hinzuweisen, dass im Freistaat noch keine kostenlosen Corona-Tests in Arztpraxen angeboten werden. "Die nötige Corona-Testverordnung steht nach wie vor aus", sagte Veit Malolepsy, Sprecher der KV Thüringen. Viele Menschen hörten etwa in den Medien, dass es die Tests nach den Ankündigungen der Bundesregierung bereits geben sollte, dies sei aber in Thüringen noch nicht der Fall. Das führe zu Irritationen, sagte Malolepsy. Auch die Ärzte bräuchten Antworten.

Aus Sicht der KV liege die Schuld nicht bei der Landesregierung, sondern beim Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU). "Wir sind in einer Pandemie und es gewohnt, dass die Dinge sehr kurzfristig kommen, aber die Diskrepanz zwischen permanenten öffentlichen Ankündigungen aus dem Hause Spahn und dem Fehlen der Voraussetzungen ist schon bemerkenswert", kritisierte Malolepsy. Die Ärzte seien bereit, zu testen. Es wisse aber niemand, woher die Tests kommen sollten und wie diese in den Praxen abgerechnet werden können.

Nach der Einigung von Bund und Länder sollen pro Bürger einmal wöchentlich ein kostenloser Corona-Test in Testzentren, bei Ärzten oder in Apotheken möglich sein. Seitens der Bundesregierung hieß es, dass der Bund die Tests bezahle, aber die Länder selbst die Schnelltests bestellen und die Infrastruktur dafür schaffen müssten.

Unabhängig von dem Bund-Länder-Entscheid haben einige Kommunen in Thüringen bereits die Möglichkeit für kostenlose Schnelltests für ihre Bewohner geschaffen - etwa in Schmalkalden-Meiningen.

Die Landrätin des Landkreises Greiz, Martina Schweinsburg (CDU), sagte: "Die von Bund und Land versprochene Schnelltest-Strategie in ausgewiesenen Testzentren begrüßen wir ausdrücklich. Lieber heute als morgen wollen wir kostenlose Schnelltests im Landkreis anbieten" Sie rechne fest mit Hilfe aus dem Thüringer Gesundheitsministerium bei der Organisation und Einrichtung von Testzentren, der Materialbeschaffung sowie der Finanzierung, um schnell und unbürokratisch starten zu können. Der Landkreis Greiz war thüringenweit am Montag am schwersten von der Pandemie betroffen. Schulen und Kindergärten wurden wieder geschlossen, weil der kritische Schwellenwert von 200 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen deutlich überschritten wurde.

© dpa-infocom, dpa:210308-99-734774/3

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