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Thüringen Linke rechnet mit Verschärfung des Fachkräftemangels

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Gaststätten öffnen nur noch wenige Tage in der Woche, Pflegedienste müssen improvisieren - der Fachkräftemangel ist in Thüringen überall spürbar. Der Linken reichen die Konzepte zur Fachkräftegewinnung nicht aus.

Erfurt (dpa/th) - Die Zeit bis zur Besetzung offener Stellen ist nach Angaben der Landtagsfraktion der Linken in Thüringen überdurchschnittlich lang. Im Schnitt dauere es 184 Tage, um geeignete Arbeitnehmer zu finden, im Bundesdurchschnitt dagegen nur 124 Tage. Das sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion, Lena Saniye Güngör, am Dienstag in Erfurt. In der Altenpflege seien es in Thüringen nach Angaben der Agentur für Arbeit sogar 236 Tage, bis jemand für eine angebotene Stelle gefunden sei. Dies zeige, wie problematisch die Situation bei Fachkräften im Freistaat bereits sei.

Güngör legte einen Katalog von möglichen Schritten vor, um die Situation bei der Fachkräftegewinnung zu verbessern, die entscheidend für die Zukunft Thüringens als Wirtschaftsstandort sei. "Die Fachkräftegewinnung ist eine der größten Herausforderungen für das Land." Keine Lösungen seien für die Linke längere Arbeitszeiten, wie die jetzt vorgeschlagene 42-Stunden-Woche, oder ein späterer Renteneintritt. Die Linke-Fraktion in Thüringen wolle vielmehr zum Rentenalter von 65 Jahren zurückkehren.

Laut Güngör wird die Zahl der Thüringer im erwerbsfähigen Alter bis zum Jahr 2030 um 247.000 sinken. Das sei ein Rückgang um etwa 30 Prozent. Um so wichtiger sei es, junge Leute gut auszubilden, Thüringen aber auch attraktiver für Fachkräfte aus anderen Bundesländern oder dem Ausland zu machen.

Der Wirtschaftspolitiker der oppositionellen CDU-Fraktion, Martin Henkel, warf der Linken als Regierungspartei vor, nur den Mangel zu beschreiben und zu verwalten. "Es ist ein Armutszeugnis, dass Thüringen am längsten braucht, um vakante Stellen zu besetzen und noch dazu die rote Laterne bei der Wiederbesetzung von Führungsposten in Unternehmen hat." Henkel verwies auf CDU-Initiativen wie eine einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder den Meisterbonus für Handwerker.

"Viele junge Thüringer gehen nach Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Warum sind es umgekehrt zu wenige, die nach Thüringen kommen?", sagte Güngör. Sie regte eine wissenschaftliche Untersuchung zu der Frage an, was Menschen bewegt, aus Thüringen abzuwandern, und was zu bleiben.

Um Berufspendler oder Menschen, die berufsbedingt abgewandert sind, sollte ebenfalls gekämpft werden. Dafür müssten neben guten Arbeitsbedingungen Löhne und Gehälter gezahlt werden, "die bundesweit mithalten können". Aus ihrer Sicht hätten sich noch nicht alle Unternehmen der neuen Situation gestellt, so die Landtagsabgeordnete.

Nach ihren Angaben gehören Bauwirtschaft, der Gesundheits- und Pflegebereich und technische Sparten zu den Bereichen, in denen zum Teil akuter Fachkräftebedarf herrscht. Auch der unternehmensnahe Dienstleistungssektor und die Gastronomie litten an Fachkräftemangel.

Vorgeschlagen wurde unter anderem eine geringere Berufsschulklassengröße in speziellen Fachberufen oder der Ausbau der berufsbegleitenden Weiterbildungs- und Umschulungsangebote für den Bereich erneuerbare Energien. Die Vorschläge sollen in Fachkreisen diskutiert und gegebenenfalls zu Anträgen an die Regierung im Landtag werden, so Güngör.

Quelle: dpa

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