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Thüringen Mehr Wahlmöglichkeiten bei Schulabschlussprüfungen geplant

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (r, Die Linke) beim Besuch einer Schule. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

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Die Organisation des Unterrichts in Corona-Zeiten ist schwierig. Bildungspolitiker befürchten Lernrückstände bei vielen Schülern. Gleichzeitig rücken die Abschlussprüfungen immer näher. Eine neue Verordnung soll nun die Prüfungen einfacher gestalten.

Erfurt (dpa/th) - Mehr Wahlmöglichkeiten, teils abgespeckte Prüfungsteile und eine Versetzungsgarantie: Wegen der Corona-Pandemie will das Thüringer Bildungsministerium die Schulabschlussprüfungen einfacher gestalten. Eine entsprechende Verordnung wurde am Freitag vom Bildungsausschuss im Thüringer Landtag beraten. "Die Wahlmöglichkeiten werden deutlich erweitert", sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vor dem Ausschuss. Das gelte vor allem bei Aufgaben innerhalb eines Prüfungsfaches. Generell solle Stoff geprüft werden, der auch vermittelt werden konnte.

Thüringens Schulen sind seit Wochen geschlossen, weil die Infektionszahlen im Land zu hoch sind. Auch im Frühjahr 2020 war es bereits zu wochenlangen Schulschließungen gekommen. Zwischendurch gab es Wechselunterricht. Bildungspolitiker mehrerer Fraktionen gehen davon aus, dass es Lernrückstände bei den Schülern gibt. Holter berief sich auf eine Schalte mit Schulleitern, wonach diese den Anteil der Schüler, "die nicht am Lernfortschritt teilnehmen", auf etwa zehn bis 15 Prozent schätzten. "Das sind Schülerinnen und Schüler, die wir regelrecht verlieren und bereits verloren haben."

Holter sagte, es gebe Schulverweigerer, manchmal liege es aber auch an der finanziellen Situation der Eltern, dass Kinder keinen Zugang zu Geräten für das digitale Lernen hätten. Teils liege es auch daran, dass noch nicht alle Thüringer Orte einen Anschluss ans Internet haben.

Die neue Verordnung, die rückwirkend zum Donnerstag in Kraft treten soll, sieht unter anderem eine Versetzungsgarantie für Schüler der Klassenstufen vier, sechs und acht vor. Für die Klassenstufen fünf und sieben ist ein Sitzenbleiben ohnehin bereits ausgeschlossen.

Bildungspolitiker von AfD-Fraktion und CDU-Fraktion kritisierten die geplante Regelung scharf und ließen zu Protokoll geben, dass sie mit der Verordnung nicht einverstanden seien. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, sagte, die Qualität der Bildung sei in Gefahr.

Auch verschiedene Verbände sehen die Versetzungsgarantie kritisch. Die Landesschülervertretung warnte vor langfristigen Folgen. "Eine grundsätzliche Versetzungsgarantie würde langfristig schwerwiegende Folgen mit sich ziehen und das Problem nur nach hinten verschieben", erklärte Landesschülervertreterin Selma Konrad. Auch der Thüringer Lehrerverband kritisierte die Pläne.

Die Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich begrüßte hingegen die Versetzungsgarantie. Bildung funktioniere nicht über Druck, sagte sie. Dennoch sprach sie sich dafür aus, "diese Verordnung weiterzuentwickeln".

Holter machte klar, dass das Papier den Stand von Januar abbilde und sich die Maßnahmen noch ändern könnten, sollten die Corona-Infektionszahlen nicht deutlich heruntergehen. Bislang ist vorgesehen, dass mit Inkrafttreten einer neuen Corona-Verordnung Schulen und Kitas mindestens noch bis 14. Februar geschlossen bleiben.

"Niemand kann sagen, wann Kindergärten und Schulen wieder öffnen", sagte Holter. Man sei im Dezember noch davon ausgegangen, dass die damaligen Corona-Maßnahmen zu einer "Erleichterung" führen würden. Dies sei aber nicht eingetreten. "Deswegen gehe ich davon aus, dass wir allen Beteiligten sagen, dass der Lockdown noch längere Zeit anhalten wird und dass Schulen und Kindergärten auch in der nächsten Zeit geschlossen bleiben."

Trotz der ernsten Lage in Thüringen, das bundesweit die höchsten Werte bei Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner hat, erteilte Holter einer Debatte um eine Verschiebung der Sommerferien eine Absage.

Man habe genügend zeitlichen Puffer, weil die Ferien im Freistaat in diesem Jahr ohnehin sehr spät beginnen. "Für Thüringen gibt es im Moment keinen Grund, um über eine Ferienverschiebung, Ferienverkürzung zu reden", betonte der Minister. In anderen Bundesländern mit früheren Ferienterminen sei das möglicherweise anders.

Die Thüringer Sommerferien beginnen in diesem Jahr am 26. Juli und dauern bis zum 4. September. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Bildungsministerium bereits im vergangenen Sommer die diesjährigen Abiturprüfungen verschoben. So soll etwa das Mathe-Abitur nicht wie geplant am 4. Mai geschrieben werden, sondern erst am 28. Mai.

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