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Thüringen Mehrere Fraktionen fordern Erhalt des Druckzentrums Erfurt

Matthias Hey (SPD) bei einer Pressekonferenz. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Erfurt (dpa/th) - Mehrere Fraktionen im Thüringer Landtag haben den Erhalt des Druckzentrums der Funke Mediengruppe in Erfurt gefordert. SPD-Fraktionschef Matthias Hey appellierte an die Funke Mediengruppe, den Entschluss zur Schließung des Druckzentrums mit 270 Mitarbeitern zu überdenken. "Thüringen würde damit zu einem weißen Fleck bei der Herstellung von Tageszeitungen hier in der Bundesrepublik", warnte Hey am Mittwoch im Thüringer Landtag in Erfurt.

Vor wenigen Wochen hatte die Funke Mediengruppe angekündigt, wegen sinkender Zeitungsauflagen und alter Druckmaschinen Ende 2021 ihr Druckzentrum in Erfurt zu schließen. Bisher arbeiten dort 270 Mitarbeiter - 100 Drucker und 170 Versandhilfskräfte. Michael Tallai, Geschäftsführer der Funke Medien Thüringen, sagte, man versuche, die Beschäftigten in anderen Unternehmen unterzubringen und führe dazu bereits Gespräche.

Hey kritisierte, dass an anderen Standorten des Unternehmens in Druckzentren investiert worden sei - nicht aber in Thüringen. "Im Westen wird investiert, hier werden Arbeitsplätze abgebaut", sagte der SPD-Fraktionschef.

Auch die Fraktionen von Linke, CDU und Grünen forderten den Erhalt des Druckzentrums. "Wo Thüringen drauf steht, sollte auch in Zukunft Thüringen drin sein", sagte der CDU-Abgeordnete Thadäus König. Die Linke-Abgeordnete Lena Saniye Güngör forderte Investitionen für die Modernisierung des Standortes. "Wir wären das erste Bundesland Deutschlands, welches nicht über ein eigenes Druckzentrum verfügt", sagte Güngör.

FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich verteidigte dagegen die Entscheidung der Funke Mediengruppe. Es sei unredlich, "permanent in unternehmerische Entscheidungen einzugreifen", sagte Kemmerich. Die Beschäftigten des Druckzentrums seien gut ausgebildet und hätten seiner Meinung nach gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt - auch angesichts des Fachkräftemangels.

Der AfD-Abgeordnete Jens Cotta sprach von einem Strukturwandel in der Medienbranche. "Niemand in diesem Saal wird die Digitalisierung aufhalten können", sagte Cotta im Landtag. Man müsse anerkennen, dass es in Zukunft weniger Druckerzeugnisse bedürfe.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte die Ansiedlung eines Kompetenzzentrums für digitale Medien in Erfurt - als Kompensation für die wegfallenden Arbeitsplätze. "Wir fordern ein, dass die neuen Technologien hier verstärkt in Erfurt eingesetzt werden", sagte Tiefensee.

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