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Thüringen Migranten: Flatrate für Dolmetscher ist ab Mai verfügbar

Ein Schild in deutscher und syrisch-arabischer Sprache weist auf ein Wartezimmer hin. Foto: Jan Woitas/Archivbild

(Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Wenn Flüchtlinge auf Ämter müssen, sind die Sprachbarrieren oft groß. Thüringen führt deshalb nach Darstellung seines Migrationsministeriums als erstes Bundesland einen besonderen Service ein.

Erfurt (dpa/th) - Zur besseren Verständigung mit Flüchtlingen können die Mitarbeiter verschiedener Ämter und Gemeinschaftsunterkünfte in Thüringen künftig auf ein neues Dolmetscher-System zugreifen. Der Freistaat habe einen Vertrag mit einem Dienstleister geschlossen, der die Video- und Audio-Übersetzung zwischen Deutsch und 54 verschiedenen Sprachen anbiete, sagte ein Sprecher des Erfurter Migrationsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Im Mai würden die ersten Verbindungen, über die die Dolmetscher erreicht werden können, freigeschaltet. In den Wochen und Monaten danach sollen weitere folgen. "Die Dolmetscherleistungen können bei Bedarf über Telefone und andere Endgeräte wie stationäre Computer, Laptops oder Tablets abgenommen werden", erläuterte der Sprecher.

Nach Angaben von Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) ist Thüringen das erste Bundesland, das eine solche Lösung flächendeckend all jenen Einrichtungen zur Verfügung stellt, die regelmäßig von Flüchtlingen aufgesucht werden. Dazu gehörten neben Behörden Migrations- und Verbraucherberatungsstellen sowie Frauenhäuser. "Für viele Institutionen stellt diese Möglichkeit, unkompliziert, kostenfrei und rund um die Uhr per Video und Telefon auf Unterstützung durch Dolmetscherinnen und Dolmetscher zurückgreifen zu können, eine große Hilfe dar", betonte Lauinger.

Das Dienstleistungsunternehmen wurde den Angaben zufolge im Zuge einer europaweiten Ausschreibung ausgewählt. Für das Projekt stehen im Landeshaushalt in diesem Jahr etwa 750 000 Euro bereit. Diejenigen Einrichtungen, die das Audio- und Videodolmetschen nutzen, müssen dafür keine weiteren Kosten tragen, weil das Land die Leistungen in einer Art Flatrate für sie bezahlt.

Die Landesbeauftragte für Integration, Mirjam Kruppa, sagte, gerade im ländlichen Raum sei es nach ihren Erfahrungen oft schwierig, für die verschiedenen Belange die richtigen Dolmetscher zu finden. "Das Audio- und Videodolmetschen ist hier ein moderner und effektiver Ansatz, von dem nicht nur die Migrantinnen und Migranten, sondern auch unsere Behörden und Institutionen profitieren."

Je nach Tageszeit und Sprache sollen die Dolmetscher teilweise innerhalb kurzer Zeit verfügbar sein. Tagsüber verspreche der Dienstleister eine Übersetzungsleistung vieler Sprachen innerhalb von vier Minuten, sagte der Sprecher des Ministeriums. Bei anderen, eher seltenen Sprachen solle die Vorlaufzeit der Übersetzung maximal 48 Stunden betragen. Im Nachtdienst könne auf 13 Sprachen in bis zu 30 oder 60 Minuten zurückgegriffen werden.

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