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Thüringen Mordkommission: Kein Reiz, sondern eine wichtige Aufgabe

Leiterin der Einheit, Helena Loch. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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Wenn sie gerufen werden, dann ist ein Mensch gewaltsam zu Tode gekommen: die Ermittler von Thüringens neuer Mordkommission. Deren Chefin will deshalb auch nicht davon sprechen, dass der Job einen besonderen Reiz habe. Die Motivation, die Aufgabe zu übernehmen, sei eine andere, sagt sie.

Erfurt (dpa/th) - Die Mitglieder der neu gegründeten zentralen Mordkommission in Thüringen werden in den nächsten Wochen zunächst viele Weiterbildungsveranstaltungen besuchen. Unter anderem sei bis Ende Juli ein Aufenthalt bei der Mordkommission in München geplant, sagte die Leiterin der Einheit, Helena Loch, am Mittwoch in Erfurt. Auch zu Videovernehmungen und zur Spurensuche seien Fortbildungen geplant. Um Mordfälle aufklären zu können, müssten die Ermittler bestmöglich aus- und fortgebildet sein.

Die Mordkommission hat zum 1. Juli ihre Arbeit aufgenommen. Ihr gehören insgesamt acht Polizisten an: drei Frauen und fünf Männer, der Altersdurchschnitt der Beamten liegt bei 45 Jahren. Sie sollen grundsätzlich alle Tötungsdelikte aufklären, die in Thüringen verübt werden. Organisiert ist die Mordkommission innerhalb des Landeskriminalamts. Bisher waren Mordermittlung durch die verschiedenen Kriminalpolizeiinspektionen in Thüringen geführt worden. Nach Angaben Lochs soll das in Zukunft nur noch in Einzelfällen geschehen. Die zentrale Mordkommission werde aber eng mit den Kriminalpolizisten in der Fläche zusammenarbeiten.

Nach Angaben von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) geht die Gründung der neuen zentralen Mordkommission auf die Arbeit der Sonderkommission (Soko) "Altfälle" in Jena zurück, die einige bislang ungeklärte Morde aufarbeitet. Dabei habe sich gezeigt, welches Potenzial in einer zentralen Mordermittlungseinheit stecke, erklärte Maier. Es sei umso größer, weil unter anderem bei der Spurensicherung und -auswertung heute auch ein hohes technisches Wissen nötig sei, das sich in hochspezialisierten Einheiten gut bewahren lasse. Die Soko in Jena soll zumindest vorübergehend auch weiterhin arbeiten.

Weil Mordermittlungen immer auch die Abgründe menschlichen Tuns offenbaren und sich damit schwere Schicksale verbinden, will Loch nicht davon sprechen, dass ihre neue Verwendung einen besonderen "Reiz" für sie habe - es sei eher eine Aufgabe. "Es ist unheimlich wichtig, diese Fälle aufzuklären", sagte sie mit Blick auf Tötungsverbrechen. Mordermittlungen seien "die Königsdisziplin" der Kriminalistik. Nach eigenen Angaben ist die 44-Jährige seit 26 Jahren Polizistin in Thüringen und hat immer wieder Tötungsdelikte bearbeitet.

Nach Angaben des Präsidenten des Landeskriminalamtes, Jens Kehr, gibt es in Thüringen im langjährigen Schnitt etwa acht Morde pro Jahr. Diese Fälle bearbeite künftig die Mordkommission.

Im Team der Mordkommission sind die einzelnen Ermittler nach Lochs Angaben jeweils auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert. Einige seien zum Beispiel besonders in der Spurenauswertung geschult, andere in der Vernehmung von Zeugen oder Verdächtigen, erklärte Loch. Dass die Mordkommission im Landeskriminalamt angesiedelt sei, ermögliche den Polizisten zudem, sehr schnell auf weitere Spezialisten zuzugreifen: Experten der Spurensicherung ebenso wie Spezialkräfte zur Beobachtung oder Festnahme von Tatverdächtigen.

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