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Thüringen Mundschutz-Engpass: Sonneberg ruft zum Selbstschneidern auf

Im Unternehmen Martin-Bären nähen Bewohner der Stadt Sonneberg Atemschutzmasken. Foto: Heidi Losansky/Stadt Sonneberg/dpa

(Foto: Heidi Losansky/Stadt Sonneberg/dpa)

In der Spielzeugstadt Sonneberg haben die Menschen Erfahrung mit Do-it-Yourself. Das soll ihnen nun angesichts der Corona-Krise helfen. Das Ziel: alle Einwohner mit Atmenschutzmasken versorgen.

Sonneberg (dpa/th) - Wegen der Corona-Pandemie sollen in Sonneberg alle rund 23 000 Einwohner einen Mundschutz erhalten. Weil aber auf dem Markt kaum Masken erhältlich seien, hat die Stadt die Einwohner aufgerufen, selbst ihr Können unter Beweis zu stellen und den Schutz für sich und andere zu schneidern. "Bis Ostern soll jede und jeder Sonneberger zumindest einen Mund-Nase-Schutz sein Eigen nennen", sagte Bürgermeister Heiko Voigt (parteilos). Die Stadt profitiere dabei von ihrer Geschichte als Spielzeugstadt und der Heimarbeit: "Viele haben die Fertigkeiten und die nötigen Geräte ohnehin Zuhause." Auf der Homepage der Stadt gibt es dazu eine Anleitung und ein Schnittmuster zum Download.

"Wenn jeder, der eine Nähmaschine hat, nach verwendbaren Stoffen schaut und für sich und sein persönliches Umfeld näht, dann sollte unser Ziel erreichbar sein", erklärte Voigt. Im Rathaus gibt es schon zwei Spendenboxen für selbstgeschneiderte Masken und für Stoff. Die gesammelten Masken werden gereinigt, desinfiziert und sollen nach und nach an alle über 70 Jahre alten Sonneberger verschickt werden. Zusätzlich lässt die Stadt in einem ortsansässigen Unternehmen 1000 Masken kommerziell anfertigen, die an den örtlichen Pflegedienst verteilt werden.

Auch von Seiten des Jobcenters gibt es Unterstützung: Ab kommender Woche sollen Flüchtlingsfrauen im Rahmen von 1,50-Euro-Jobs ebenfalls Masken nähen, sagte Bettina Langbein-Hopf, Geschäftsstellenleiterin von p&s Praxis und Seminare, die den Einsatz organisiert. Die Masken werden desinfiziert an Seniorenheime und die Stadt weitergegeben.

"Die Rückmeldungen sind bisher sehr positiv", sagte Stadtsprecher Stefan Hinterleitner. In den kommenden Wochen könnten die Schnittmuster daher auch auf nicht-digitalem Weg an die Einwohner ausgegeben werden, um auch Senioren zu erreichen, die keinen Zugang zum Internet haben. Die Wirksamkeit von Atemschutzmasken zur Eindämmung des Coronavirus sind in Fachkreisen umstritten. Die Stadt sieht in der Aktion neben einer sinnvollen Beschäftigung auch eine Stärkung des zivilen Zusammenhalts.

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