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Thüringen Politologe: Zwischen AfD und CDU könnte es eng werden

Der Politikwissenschaftler Hendrik Träger ist zu sehen. Foto: Sebastian Willnow/Archivbild

(Foto: Sebastian Willnow/ZB/dpa)

Die CDU muss bei der Europawahl bundesweit Verluste hinnehmen und dann kommt ihr in Thüringen auch noch die AfD gefährlich nahe. Ein Szenario, das sich im Oktober bei der Landtagswahl wiederholen könnte?

Erfurt/Leipzig (dpa/th) - Nach Ansicht des Leipziger Politologen Hendrik Träger kann sich das bundesweit schwache Abschneiden von Union und SPD bei der Europawahl auch auf die anstehende Landtagswahl in Thüringen auswirken. Es handele sich um eine "historische Zäsur", sagte Träger. Er betonte aber zugleich, dass bis zur Landtagswahl am 27. Oktober noch viel passieren könne.

Union und SPD schnitten bei den Europawahlen am Sonntag so schlecht wie noch nie bei einer bundesweiten Wahl ab. Auch in Thüringen mussten CDU und SPD herbe Verluste hinnehmen. Besonders deutlich fiel der Rückgang aber bei der Linken aus. Die AfD dagegen wurde im Freistaat bei der Europawahl zweitstärkste Kraft. Der Politikwissenschaftler Träger hält es für wahrscheinlich, dass auch Linke-Wähler im Freistaat ins AfD-Lager wechselten. "Die Verluste der Linke spiegeln sich ja nicht bei einer anderen Partei im Mitte-Links-Spektrum wieder", sagte Träger. Daher sei es wahrscheinlich, dass die Linke Wähler an die AfD verloren habe.

Seiner Meinung nach habe die AfD im Freistaat das Potenzial, den Charakter einer Volkspartei zu erreichen. "Man kann davon ausgehen, dass es im Oktober ein enges Rennen sein wird, zwischen CDU und AfD", sagte Träger. Die AfD könne aus dem landesweiten Ergebnis in Thüringen auch für den anstehenden Wahlkampf Profit schlagen. Für CDU, Linke und SPD sei die Europawahl in Thüringen ein Alarmsignal.

Auch die Affäre um das Ibiza-Video mit dem österreichischen Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) habe der AfD zumindest in Thüringen nicht schaden können. "Das ist für viele Menschen weit weg", sagte Träger. AfD-Chef Jörg Meuthen hatte die österreichische FPÖ auch nach dem Bekanntwerden der Affäre noch als Schwesterpartei bezeichnet.

In Thüringen legte nicht nur die AfD bei der Europawahl zu, sondern auch die Grünen - jedoch nicht so stark wie auf Bundesebene. "Die Bäume der Grünen wachsen in Thüringen nicht so hoch wie auf Bundesebene", sagte Träger. Ein Grund sei, dass die Grünen im Osten schon immer einen schweren Stand hatten - unter anderem weil klassische Umweltthemen in den 90er-Jahren im Osten kaum eine Rolle spielten. In Thüringen seien die Grünen zudem an der Regierung beteiligt - als kleinste Partei in einem Dreier-Bündnis. "Das macht es schwieriger für die Grünen, auch medial wahrgenommen zu werden", sagte Träger.

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