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Thüringen Reaktion auf Coronakrise: Tarifvertrag für Metallindustrie

Das Logo der IG Metall hängt über der Bühne beim ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

(Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild)

Lieferketten funktionieren nicht mehr, Kunden nehmen nichts ab: Die Probleme in der Thüringer Metallindustrie durch die Coronakrise werden größer. Ein neuer Tarifvertrag soll Härten für die Arbeitnehmer abmildern und Arbeitsplätze sichern.

Erfurt (dpa/th) - Für die Beschäftigten der Thüringer Metall- und Elektroindustrie wird der in Nordrhein-Westfalen erzielte Pilotabschluss übernommen. Das teilten am Donnerstag die IG Metall sowie der Metallarbeitgeberverband in Erfurt mit. Mit der schnellen Einigungen werde auf die Herausforderungen durch die Coronakrise reagiert. Ziel sei es, Arbeitsplätze zu sichern.

Das vereinbarte Tarifpaket enthalte neue tarifliche Instrumente zur Abfederung sozialer Härten bei Kurzarbeit, der Bewältigung von Kinderbetreuung und zum Umgang mit Beschäftigungsausfällen, erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Kaeser.

Nach Angaben der IG Metall gilt der Vertrag für 18 000 bis 20 000 Arbeitnehmer in tarifgebundenen Thüringer Unternehmen. Insgesamt beschäftigt die Metall- und Elektroindustrie in Thüringen nach unterschiedlichen Zahlen der Tarifparteien zwischen 80 000 und 100 000 Arbeitnehmer.

Eine Reihe von Unternehmenstarifverträgen orientierte sich an dem Flächenvertrag oder lehnten sich bei einzelnen Regelungen an, sagte IG Metall-Sprecher Michael Ebenau. Dadurch sei der Kreis der Arbeitnehmer, die von dem Abschluss profitieren könnten, deutlich größer.

Was vereinbart wurde: Der bisherige Tarifvertrag wird bis Ende 2020 ohne Entgelterhöhungen wieder in Kraft gesetzt. Ein betrieblicher Finanzierungstopf, der mit 350 Euro pro Vollzeitbeschäftigten gefüllt wird, kann laut Arbeitgeberverband je nach wirtschaftlicher Lage zur Abmilderung sozialer Härten bei Kurzarbeit verwendet werden. Außerdem gebe es Vereinbarungen zur Bewältigung von Engpässen in der Kinderbetreuung.

Dazu gehörten fünf zusätzlich freie Tage für Mitarbeiter, die Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres betreuen, weil Schulen und Kindertagesstätten aus Gründen des Gesundheitsschutzes geschlossen haben. Diesen Beschäftigten würden unter Weiterzahlung des Arbeitsentgelts bis zu fünf Tage Freizeit gewährt, wenn alle anderen Möglichkeiten, darunter Resturlaub oder Abbau bestehender Arbeitszeitguthaben, ausgeschöpft seien. Alle Vereinbarungen haben eine Mindestlaufzeit bis Ende Dezember 2020, so die IG Metall.

"Das Tarifpaket ist ein vernünftiges Signal und gibt notwendige Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte in dieser außergewöhnlich schwierigen Situation", sagte Kaeser. Der auch für Thüringen zuständige IG Metall Bezirksleiter Jörg Köhlinger erklärte: "Die Coronakrise und deren Auswirkungen werden uns noch eine lange Zeit beschäftigen. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir jetzt einen tariflichen Rahmen haben, der die Auswirkungen für die Beschäftigten zumindest abmildert und Verbesserungen vorsieht." Finanzielle Einbußen bei Kurzarbeit können laut Köhlinger auch durch eine anteilige Auszahlung der jährlichen Sonderzahlung und des zusätzlichen Urlaubsgeldes reduziert werden.

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