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Thüringen Schalldämpfer für Jäger im neuen Jagdgesetz erlaubt

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Nach langem Hin und Her steht der Entwurf für ein neues Thüringer Jagdgesetz. Doch auch nach jahrelangen Verhandlungen sind die Interessenskonflikte noch groß.

Erfurt (dpa/th) - Jäger in Thüringen sollen künftig Schalldämpfer verwenden können. Das sieht der Entwurf des neuen Jagdgesetzes vor, den Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) am Mittwoch in Erfurt vorstellte. Eine Neuerung des Jagdgesetzes hatte das rot-rot-grüne Regierungsbündnis schon Ende 2014 im Koalitionsvertrag vereinbart. Zahlreiche Interessenskonflikte verzögerten bisher den Prozess. Nicht nur die Jäger, auch Tier- und Artenschutzverbände meldeten sich in der Vergangenheit immer wieder zu Wort.

Über den Einsatz von Schalldämpfern herrscht weiter Uneinigkeit mit dem Innenministerium. Das Ressort hat nach Angaben eines Sprechers Sicherheitsbedenken, die auch jetzt noch nicht gänzlich ausgeräumt seien. Es gebe die Sorge, dass die Waffenteile in die Hände von Verbrechern gelangen könnten, so der Sprecher.

Bisher ist der Gebrauch von Schalldämpfern für Jäger in Thüringen verboten. Allerdings habe das Bundesinnenministerium eine künftige einheitliche Regelung signalisiert, nach der Schalldämpfer für Jäger erlaubt werden sollen, sagte der Sprecher. Damit würde ein Verbot in Thüringen ohnehin hinfällig.

Das neue Jagdgesetz soll sich mehr an ökologischen und wildbiologischen Grundsätzen orientieren, wie Keller sagte. So würden etwa Bleischrot als Munition und tödliche Fallen verboten. In Ausnahmefällen sollen die sogenannten Totschlagfallen aber auch künftig erlaubt sein, sagte die Ministerin.

Beim Verbot von Bleischrot bezog sich das Landwirtschaftsministerium auf eine Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Demzufolge kann Wildfleisch durch bleihaltige Munitionsreste stark belastet sein. Die Bleischrote zerlegen sich demnach beim Aufprall, feinste Partikel seien im Fleisch kaum zu erkennen. Während das Risiko für Verbraucher, die nur gelegentlich Wild essen, vernachlässigbar sei, seien vor allem Kinder und Schwangere gefährdet.

Kritik an den geplanten Verboten kam vom Thüringer Landesjagdverband: "Gängige Totfanggeräte, die in Deutschland eingesetzt werden, töten sofort und sind nach internationalen Tierschutz-Standards erfolgreich getestet", hieß es in einer Mitteilung. Müsse auf Bleischrot verzichtet werden, steige außerdem die Unfallgefahr, weil andere Munitionsarten leichter abprallen. "Wenn wir mit Blei schießen, wissen wir, was passiert", sagte der Landesgeschäftsführer Frank Herrmann am Mittwoch.

Tierschützer kritisierten hingegen, dass Totschlagfallen Tiere oft nur schwer verletzten. Der Naturschutzbund Thüringen (NABU) begrüßte die geplanten Verbote am Mittwoch grundsätzlich - sie gingen einem Sprecher zufolge aber nicht weit genug. So sollten etwa auch Lebendfallen verboten werden. "Keine Falle fängt selektiv und Tiere werden unnötigen Gefahren ausgesetzt", sagte er.

In Thüringen gibt es laut Jagdverband etwa 11 500 Jäger. Bei der Mehrheit handelt es sich um Hobby-Jäger. Nach dem zweiten Kabinettsdurchgang geht der Gesetzentwurf nun in den Landtag.

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