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Thüringen Sucht-Selbsthilfegruppen durch Corona beeinträchtigt

Informationsbroschüren über Alkoholismus. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

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Erfurt (dpa/th) - Die Corona-Pandemie hat sich auf Menschen mit Suchterkrankungen nach Experteneinschätzung teils massiv ausgewirkt. "Es sind Rückfälle zu verzeichnen", sagte der Leiter der Landesstelle für Suchtfragen, Sebastian Weiske, am Rande einer Tagung der Thüringer Selbsthilfe am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Nicht jeder Abhängige komme mit der besonderen Belastungssituation, etwa durch Kurzarbeit, klar - zumal nicht jeder über einen festen familiären Rückhalt verfüge. "Manche hat das sehr hart getroffen." Zudem seien professionelle Suchtberatungsstellen wochenlang geschlossen gewesen und auch Kliniken mit Abteilungen für Suchttherapien hätten teilweise keine Patienten mehr aufgenommen.

Dies sei problematisch gewesen, weil die Abhängigen zugleich mit Begleiterkrankungen wie Depressionen kämpften, sagte Weiske. Auch die ehrenamtliche Selbsthilfearbeit war Weiske zufolge wegen Kontaktbeschränkungen und coronabedingt nicht verfügbarer Anlaufstellen beeinträchtigt. Noch immer könne sich die Hälfte der in Thüringen aktiven Gruppen nicht wie gewohnt persönlich treffen. Einige überbrücken dies Weiske zufolge mit telefonischen Kontakten oder Kontakten über soziale Medien. "Aber nicht alle sind internetaffin, außerdem ist die Netzabdeckung teilweise schlecht", sagte Weiske.

In Thüringen sind nach Angaben der Landesstelle etwa 115 Sucht-Selbsthilfegruppen aktiv. Meist handelt es sich dabei um Gruppen für Alkoholkranke, einzelne Gruppen beschäftigen sich ausschließlich mit Glücksspielsucht oder der Abhängigkeit von illegalen Drogen.

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