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Thüringen Textilfirmen und Thüringer Matratzenhersteller nähen Masken

Eine Person hält eine Atemschutzmaske in der Hand. Foto: Ole Spata/dpa

(Foto: Ole Spata/dpa)

Über das Für und Wider von Schutzmasken beim Einkaufen oder Spazierengehen wird gestritten. Aber immer mehr Firmen produzieren den Schutz für Mund und Nase - auch in Thüringen.

Erfurt/Chemnitz (dpa/th) - Fast zwei Dutzend Firmen der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie haben nach Verbandsangaben ihre Produktion wegen der Corona-Krise mindestens teilweise auf Gesichtsmasken umgestellt. "Mehr als 20 Firmen haben binnen kürzester Zeit Mund-Nasen-Masken entwickelt und bereits deren Serienproduktion aufgenommen oder stehen unmittelbar davor", sagte Jenz Otto, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes vti, am Mittwoch. In Thüringen wird der Schutz von Mund und Nase, der nun auch in einigen Kommunen gelten soll, zudem von Matratzenherstellern oder einer Theaterwerkstatt genäht.

Als erster gestartet in Thüringen war Anfang März der Matratzenhersteller Breckle in Weida (Kreis Greiz), der einen Teil seiner Produktion auf Atemschutzmasken umgestellte. Auch der Erfurter Matratzenhersteller Procave hat nach eigenen Angaben seine Produktion auf Mund- und Nasenschutzmasken umgestellt. Bis zu 10 000 waschbare Masken könnten pro Tag gefertigt werden, erklärte Geschäftsführer Oliver Schramm am Mittwoch. Zumindest könnte die Ansteckungsgefahr eingedämmt werden. "Wir sollten damit nicht erst warten, bis die Masken Pflicht werden."

Die Produktion von Stoffmasken wurde nun auch in den Erfurter Theaterwerkstätten begonnen. In kleinen Gruppen unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften würden Masken beispielsweise für das Erfurter Gesundheitsamt, eine Seniorenresidenz und eine Sportklinik genäht, teilte das Theater mit. Einige Theaterschneiderinnen fertigten Masken auch zu Hause. Verarbeitet würden unter anderem grüne Mönchskutten aus dem Musical "Der Name der Rose", das 2019 bei den Domstufenfestspielen aufgeführt wurde. Der Leinenstoff sei waschbar.

Bunte Varianten entstehen in der Gothaer Modemanufaktur Wish Project. Nach einer Experimentierphase habe sich die Manufaktur für Material mit Silberionen und den Namen "Happy Mask" entschieden, so Unternehmerin Kathrin Deubner. Vertrieben würden die modischen Teile über das Internet, aber auch regional beispielsweise bei Apotheken. Deubner hat auch schon Nachnutzungsideen für ihre neuen Produkte: als Schlafmaske im Flugzeug oder als Haarband.

Problematisch ist nach Angaben des Verbands vti, dass die Masken nicht zertifiziert und daher keine Schutzmasken seien. Es sei wichtig für Nutzer zu wissen, dass es sich bei den in unterschiedlichen Varianten angebotenen Mund-Nasen-Masken aufgrund bestehender Zulassungsvorschriften derzeit in der Regel noch nicht um zertifizierte Medizinprodukte handele oder handeln könne, sagte Otto. "Daher verwenden wir Begriffe wie Mund- oder Atemschutz nicht." Viele sächsische Hersteller würden gegenwärtig die Zertifizierung anstreben.

Der Thüringer FDP-Landtagsabgeordnete Dirk Bergner hat bereits vorgeschlagen, das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland in Greiz kurzfristig finanziell so zu unterstützen, dass es Corona-Atemschutzmasken testen kann. Es müssten dafür Prüfgeräte angeschafft werden.

Laut Textilverband gibt es mit der Dekra und dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) nur zwei Zertifizierungsstellen in Deutschland. Dies sei im dieser Situation zu wenig. Zugleich appellierte er an die zuständigen Prüfstellen und Behörden, diese Vorgänge so schnell wie möglich zu bearbeiten.

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