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Thüringen Thüringen rutscht bei Bildungsvergleich auf dritten Platz

Ein Kind sitzt vor einer Tafel mit Groß- und Kleinbuchstaben. Foto: Arno Burgi/Archiv

(Foto: Arno Burgi/zb/dpa)

In Sachen Bildung liegt Thüringen nach einer Vergleichsstudie immer noch in der Spitzengruppe bundesweit. Doch kein anderes Land hat sich in den vergangenen Jahren so stark verschlechtert.

Erfurt/Berlin (dpa/th) - Thüringens Bildungssystem gehört nach einem bundesweiten Ranking weiterhin zu den besten in Deutschland - hat sich aber zugleich in den vergangenen Jahren am deutlichsten verschlechtert. Unter den 16 Bundesländern rangiert der Freistaat beim "INSM-Bildungsmonitor" auf dem dritten Platz, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) hervorgeht. Vor Thüringen landeten bei dem Ranking Sachsen auf Platz eins und Bayern auf Platz zwei. Brandenburg und Berlin schnitten am schlechtesten ab.

Im Vergleich der vergangenen sechs Jahre habe sich der Freistaat von allen 16 Bundesländern am deutlichsten verschlechtert, hieß es. Im vergangenen Jahr lag Thüringen noch auf Platz zwei.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte, ein dritter Platz sei grundsätzlich zufriedenstellend, "insbesondere da wir an den im Bildungsmonitor kritisierten Punkten bereits intensiv arbeiten."

Herausforderungen sehen die Autoren unter anderem bei der Integration. In Thüringen würden zum Beispiel viele ausländische Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss verlassen, hieß es in einer Mitteilung der Initiative. Holter wies darauf hin, dass im neuen Schulgesetz die Schulpflicht ausgedehnt wurde. Nach den neuen Regeln gilt nun für Jugendliche mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss eine Schulpflicht auch im Alter zwischen 16 und 18 Jahren. Laut Holter sei dies wichtig, "damit mehr junge Menschen den Schulabschluss schaffen."

Außerdem monieren die Autoren die Altersstruktur der Lehrer in Thüringen, die unausgewogen sei. "Dies erschwert eine gute Personalpolitik der Schulen", hieß es.

Die Thüringer FDP sieht das dringendste Problem für das Bildungssystem im Freistaat im Lehrermangel. "Wir brauchen ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Lehrermangels. Dazu gehört unter anderem die Angleichung der Besoldung der jeweiligen Schularten und eine bessere Ausbildung von Quereinsteigern", erklärte der FDP-Landesvorsitzende Thomas Kemmerich.

Zu den Stärken gehört im Freistaat die Betreuung, weil auf einen Lehrer relativ wenige Schüler kommen. Außerdem seien die Bildungsausgaben je Schüler an den Berufsschulen sehr hoch. Für Kita-Kinder und an den Grundschulen seien zudem das Ganztagsangebot sehr gut.

Außerdem gaben die Autoren dem Freistaat Handlungsempfehlungen:

INTEGRATION: Sprachförderung sollte nach Ansicht der Experten systematisch schon mit Beginn der Kita gestärkt werden.

DIGITALISIERUNG: Die Autoren mahnen, den Digitalpakt im Freistaat zügig umzusetzen. Außerdem müssten Lehrer im Bereich Digitalisierung geschult werden. "Thüringen sollte bei der beruflichen und akademischen IT-Ausbildung und der Forschung zusätzliche Impulse setzen", hieß es in der Mitteilung der Initiative.

ÖKONOMISCHE BILDUNG: Nach Ansicht der Autoren sollte die wirtschaftliche Grundbildung von Jugendlichen verbessert werden. Dazu seien bundesweit unter anderem Lehrkonzepte nötig.

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