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ThüringenTrockener Winter und seine Folgen für die Wasserversorgung

09.06.2026, 05:01 Uhr
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Thüringen ist eigentlich ein wasserreiches Land mit großen Talsperren. Aber nun gibt es Probleme. Welche Folgen zu geringe Niederschläge im Winter haben und wie das Land darauf reagiert.

Erfurt (dpa/th) - Der trockene und milde Winter hat gravierende Folgen für den Wasserhaushalt in Thüringen - trotz der Regentage im Frühjahr. Das gelte für Grundwasser, Böden sowie Flüsse und Bäche, aber auch die Talsperren im Freistaat, teilte das Umweltministerium auf Anfrage in Erfurt mit.

Im Winterhalbjahr sei der Niederschlag mit rund 200 Millimetern um 40 Prozent unter dem langjährigen Referenzwert geblieben. Die normalerweise in der vegetationsarmen Zeit einsetzende Grundwasserneubildung sei weitgehend ausgeblieben. Besonders betroffen seien der Südwesten, das Altenburger Land und das Thüringer Becken.

"Wasserhaushalt steht unter erheblichem Druck"

Gleichzeitig sei der Winter bei einer Mitteltemperatur von 3,6 Grad um 1,7 Grad zu warm gewesen. "Der seit Jahren beobachtete Trend zu immer trockeneren Frühjahren in Thüringen setzt sich damit ungebrochen fort", heißt es in einem Bericht zur Niedrigwasser-Situation, den das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz in Jena im halbjährigen Rhythmus vorlegt.

"Die Messdaten unseres Netzes zeichnen ein eindeutiges Bild. Der Wasserhaushalt in Thüringen steht unter erheblichem Druck, und die ausgebliebene Grundwasserneubildung im vergangenen Winter gibt uns Anlass zur Sorge", erklärte die Präsidentin des Landesamtes, Andrea Manz. Das Mess‑ und Monitoringnetz werde weiter ausgebaut, um die Entwicklung von Grundwasser, Bodenfeuchte und Fließgewässern noch besser zu erfassen.

Neue Fernwasserleitungen und Tiefbrunnen

Umweltminister Tilo Kummer (BSW) bezeichnete sinkende Grundwasserstände und weniger Zuflüsse zu den Trinkwassertalsperren als große Herausforderung für das Land. Zusammen mit den Wasserversorgern sei bereits ein Stresstest für die Wasserversorgung durchgeführt worden. Das Land stelle 2026 rund 20 Millionen Euro aus dem EU-Fonds für Regionalentwicklung zur Verfügung für den Ausbau und die Modernisierung der Wasserinfrastruktur.

Es gehe dabei um eine bessere Vernetzung der Versorgungsgebiete, den Ausbau des Fernwassernetzes, zusätzliche Aufbereitungs‑ und Speicherkapazitäten sowie neue Tiefbrunnen. Ziel sei, dass heute und in Zukunft ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stehe und Landwirtschaft und Industrie mit Wasser versorgt werden können. Kummer: "Unsere Strategie, die im kommenden Jahr als Landesprogramm "Wasserressourcen 2028‑2033“ vorliegen soll, beinhaltet außerdem eine dynamischere Talsperrensteuerung, die Schaffung von Wasserschutzwäldern und die Förderung wasserschonender Landwirtschaft."

Nach Angaben des Landesamtes wiesen im Januar 75 bis 80 Prozent aller Grundwassermessstellen in Thüringen niedrige Stände auf – ein deutlich schlechterer Wert als im bereits angespannten Vorjahr. Das Bodenfeuchte-Messnetz mit derzeit 27 Messstellen habe das anhaltende Feuchtedefizit belegt. Die Winterniederschläge hätten sich im Vergleich zum feuchten Winter 2023/24 nahezu halbiert.

Historische Tiefstwerte an Werra und Ulster

Die Folge: Das Wasser reichte nicht aus, die Bodenwasserspeicher vor allem in größeren Tiefen aufzufüllen. In das Frühjahr 2026 sei mit einem Defizit von rund zehn Prozent des Volumens gestartet worden. Es habe sich weiter vergrößert.

Die Situation der Fließgewässer sei flächendeckend überdurchschnittlich trocken. An vier Pegeln, darunter an der Werra und der Ulster, seien neue, historische Tiefstwerte für den Monat April registriert worden. "Die Situation ist vergleichbar mit den ausgeprägten Niedrigwasserphasen der Jahre 2019 und 2025", so das Landesamt.

Die Klimavorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deuteten in den kommenden Wochen und Monaten auf eine weiterhin zu warme und tendenziell zu trockene Witterung. Im Thüringer Becken würden bei der für Pflanzen verfügbaren Bodenfeuchte negative Abweichungen von bis zu 30 Prozent erwartet. Langfristig prognostiziere der DWD für den Zeitraum bis 2035 einen weiteren Temperaturanstieg sowie 50 Prozent mehr heiße Tage.

Quelle: dpa

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