Regionalnachrichten

Thüringen Umweltministerium: Einsatz von Gift gegen Mäuseplage möglich

Eine Maus kommt aus ihrem Bau. Foto: picture alliance/dpa/Archiv/Symbolbild

(Foto: picture alliance/dpa/Archiv/Symbolbild)

Eine Mäuseplage bereitet Thüringer Bauern Kopfzerbrechen. Ist Gift die Lösung? Umweltschützer sind dagegen und verweisen auf Alternativen. Dabei sorgen sie sich um einen ganz anderen Nager, der in Thüringen bald ausgestorben sein könnte.

Erfurt/Jena (dpa/th) - Im Kampf gegen die Mäuseplage auf Thüringens Feldern will das Umweltministerium den Gifteinsatz ermöglichen. "Ja, der Einsatz von Gift ist unter Auflagen denkbar", sagte Staatssekretär Olaf Möller der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. "Wir stehen an der Seite der Landwirtschaft und wollen das Eindämmen der Mäuseplage ermöglichen." Gleichzeitig müsse aber der Artenschutz für Feldhamster und Greifvögel beachtet werden. Der Umweltverband Nabu nannte das Vorgehen "extrem gefährlich". Dadurch könnten die letzten Hamsterbestände vernichtet werden.

Thüringens Bauern dringen angesichts massiver Schäden durch Mäuse darauf, Gift einsetzen zu dürfen. "Wir schätzen, dass rund 25 Prozent der Thüringer Ackerfläche betroffen sind", sagte der Fachmann für Pflanzenproduktion beim Bauernverband, André Rathgeber, am Donnerstag. Den Schaden bezifferte der Experte auf bis zu 450 Euro pro Hektar. Die Mäuse hätten sich massenhaft im Erfurter Becken ausgebreitet und von dort weiter bis nach Ostthüringen. Neben Äckern seien zunehmend auch Grünlandflächen betroffen.

"Wir müssen zugucken, wie die Ernte weggefressen wird", kritisierte Rathgeber. Das Gift würde ohnehin mit Legeflinten direkt in die Mäuselöcher befördert. "Bei einer sachgerechten Anwendung geht davon keine Gefahr für Nicht-Zielorganismen wie den Hamster aus."

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte jüngst die Behörden aufgerufen, Ermessensspielräume etwa im Pflanzenschutzgesetz zu nutzen, um die Mäuse zu bekämpfen. Staatssekretär Möller zufolge hat das Umweltressort dem Erfurter Agrarministerium zwei Maßnahmen vorgeschlagen. Zum einen könnte der Boden bis in 20 Zentimeter Tiefe umgepflügt und so die Gänge der Mäuse zerstört werden; die Bauten von Hamstern lägen tiefer und würden geschont. Zum anderen sollen Giftköder ausgebracht werden dürfen, wenn durch Experten belegt ist, dass es auf dem Acker keinen Hamsterbau gibt. Werden Hamsterpopulationen nachgewiesen, müsse ein Sicherheitsabstand von einem Kilometer eingehalten werden, hieß es.

Für dieses Vorgehen ist laut Ministerium geschultes Personal nötig. Dazu wurden bereits mehr als 100 Menschen im Freistaat definiert, die das nötige Know-how besitzen. Der Agrarpolitiker der CDU-Landtagsfraktion, Marcus Malsch, warf dem Umweltministerium vor, auf Zeit zu spielen. Der Einsatz von Gutachtern dauere viel zu lange und helfe den Landwirten in ihrer akuten Not nicht, betonte er. Vielmehr müssten die vorhandenen Daten genutzt werden, um Gebiete zu bestimmen, die für den Einsatz von Giftködern in Frage kämen.

Der Feldhamster ist in Thüringen massiv gefährdet. Laut Umweltministerium ist damit zu rechnen, dass er in den kommenden fünf Jahren fast komplett aussterben wird. Der Nabu warnt, dass auch bei dem vom Ministerium vorgeschlagenen Vorgehen Hamster leiden könnten. "Die Hamsterbestände können gar nicht genau erfasst werden", betonte Nabu-Experte Ulrich Scheidt.

Seiner Einschätzung nach ist ohnehin mit einem Zusammenbrechen der Mäusepopulation auf natürlichem Weg zu rechnen. Der Einsatz von Gift könne dies sogar verzögern, weil dann die Übertragung von Krankheiten verlangsamt werde, warnte er. "Viele der Mäuse verhalten sich derzeit sehr auffällig und haben Krankheiten." Der Nabu rät, die natürlichen Feinde der Mäuse zu stärken. Dazu müsse es etwa mehr Hecken und Bäume entlang der Felder geben, von denen aus Greifvögel und Eulen jagen könnten.

Newsticker