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Thüringen Weiteres Corona-Risikogebiet und Rekord bei Tages-Fallzahlen

Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild)

Thüringen ist ländlich geprägt, doch das schützt augenscheinlich nicht vor einer weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie. Im Gegenteil: Ländliche Gebiete sind derzeit besonders betroffen.

Erfurt (dpa/th) - In Thüringen verschärfen nach einem deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen und inzwischen vier Landkreisen auf der Liste der Risikogebiete weitere Kommunen die Schutzvorkehrungen. Der Kreis Altenburger Land reagierte am Donnerstag mit einer Allgemeinverfügung auf den Sprung über den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Der Kreis mit knapp 90 000 Einwohnern ist seit Donnerstag Risikogebiet. Dort wurden 64 aktive Infektionen gezählt, elf mehr als am Mittwoch, was einer Sieben-Tage-Inzidenz von 56 neuen Fällen entspricht. In der Verfügung setzte das Landratsamt die Personenobergrenzen für private Feiern und öffentliche Veranstaltungen herunter.

Thüringen hatte am Donnerstag mit 152 Neuinfektionen den höchsten Tagesanstieg seit Beginn der Pandemie erreicht, wie das Gesundheitsministerium unter Berufung auf Zahlen des Berliner Robert Koch-Instituts mitteilte. Neben dem Altenburger Land sind das Eichsfeld, der Saale-Holzland-Kreis und der Kreis Sömmerda Risikogebiete.

Eine Vorstufe hat die Stadt Jena mit 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen erreicht. Ab dieser Marke sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. Die Stadt hat eine Allgemeinverfügung erstellt, die am Freitag in Kraft tritt, wie ein Sprecher am Abend mitteilte. Danach sind unter anderem private Feiern in geschlossenen Räumen mit mehr als 15 Menschen untersagt. Bislang seien drei Ausbruchsgeschehen identifiziert worden, die Auswirkungen auf das gesamte Stadtgebiet hätten, so der Sprecher. So stünden etwa elf Fälle im Zusammenhang mit einer privaten Feier in einem Restaurant.

Die Vorwarnstufe hatte am Donnerstag auch der Kreis Schmalkalden-Meiningen erreicht. Die Landeshauptstadt Erfurt rechnet damit in Kürze. Derzeit werde eine Verschärfung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum per Allgemeinverfügung vorbereitet, kündigte die Stadtverwaltung an. Auch die zulässigen Teilnehmerzahlen bei privaten und öffentlichen Veranstaltungen würden eingeschränkt.

Landesweit hatte es in den vergangenen sieben Tagen 594 Neuinfektionen gegeben, umgerechnet auf die Sieben-Tage-Inzidenz sind das knapp 28 Fälle je 100 000 Einwohner. 22 Menschen mit Covid-19 werden derzeit auf Intensivstationen behandelt, wie aus dem nationalen DIVI-Intensivregister hervorgeht. Auch diese Zahl steigt seit Tagen an.

Auffällig sei, dass inzwischen besonders die ländlichen Gebiete in Thüringen von der Pandemie betroffen seien, sagte der Chef-Infektiologe des Universitätsklinikums Jena, Mathias Pletz, der die Landesregierung im wissenschaftlichen Corona-Beirat berät. Die Mehrheit der neuen Fälle habe zudem ihren Ursprung im privaten Bereich. "Das besorgt mich." Das Landratsamt Altenburger Land sprach am Donnerstag von einer "diffusen Ausbreitung" der Erreger, eindeutige Infektionsgründe ließen sich nicht mehr ausmachen.

Aus Sicht von Pletz sind Familienfeiern derzeit das Hauptproblem. "Da fühlt man sich sicher, da setzt man auch die Maske ab." Entsprechend liege hier auch der Schlüssel, um den Anstieg der Infektionen zu bremsen. In der aktualisierten Corona-Landesverordnung, die am 1. November gelten soll, reagiert die Landesregierung darauf. Danach sind bei privaten Feiern in geschlossenen Räumen nur noch 30 Menschen und im Freien 75 Menschen ohne Anmeldung bei den lokalen Gesundheitsämtern zugelassen.

Wegen bestätigter Corona-Infektionen oder vorsorglicher Quarantäne sind in Thüringen nach Angaben des Bildungsministeriums derzeit sechs Kindergärten geschlossen. Betroffen ist vor allem das Risikogebiet Landkreis Sömmerda, wie aus einer Übersicht auf der Website des Ministeriums hervorgeht. Auch für einzelne Einrichtungen im Saale-Holzland-Kreis, im Ilm-Kreis und im Kreis Gotha gilt nach dem Corona-Stufenkonzept des Ministeriums Alarmstufe Rot. Für zahlreiche weitere Kindergärten und Schulen gilt die Vorwarnstufe Gelb. In Thüringen gilt zur Eindämmung der Pandemie an Schulen und in Kindergärten ein Ampelsystem.

Die Gesamtzahl der seit Beginn der Corona-Pandemie mit Sars-CoV-2 Infizierten in Thüringen hat sich auf 5250 erhöht. 201 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus bisher. 4250 Menschen gelten als genesen.

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