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Thüringen "Zuschauer soll entscheiden": Film über Flüchtlingsthema

Der Filmemacherin Yvonne Andrä. Foto: ---/1meter60-film/dpa/Archivbild

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Leichten Stoff haben sich Yvonne und Wolfgang Andrä aus Weimar mit ihrem ersten Kinofilm nicht ausgesucht: In "Heimsuchung" machen sie aus der Geflüchteten-Thematik ein mal absurd-komisches, mal todernstes Kammerspiel - und bedienen sich dabei besonderer Kniffe.

Weimar (dpa/th) - Der Umgang Deutschlands mit Geflüchteten ist die Ausgangslage für einen komplett in Weimar gedrehten Kinofilm gewesen. Mit "Heimsuchung", der am Donnerstag seinen offiziellen Kinostart erlebt, haben die Weimarer Filmemacher Yvonne und Wolfgang Andrä eine teils bitterböse Gesellschaftssatire geschaffen.

"Die Idee zum Film gerade in Form eines Kammerstücks kam bereits 2014 auf", erklärte Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Wolfgang Andrä. Damals habe es eine politische Diskussion über Flüchtlingskontingente gegeben. Im weiteren Prozess, sei es dann um die Frage gegangen, wie generell in Deutschland mit den Menschen umgegangen wird, die kommen.

Das Filmemacherpaar habe aber auch einen persönlichen Bezug zur Thematik. "Bei uns in der Straße gegenüber in Weimar war damals eine Erstaufnahme aufgemacht worden", so Wolfgang Andrä. Schnell sei für sie klar gewesen, dass es längst nicht darum gehe, den Menschen ein Dach über den Kopf zu bieten, sondern sie auch zu integrieren.

Gedreht wurde im nüchternen Setting einer Geflüchtetenunterkunft in Weimar. Fördergelder aus unterschiedlichen Töpfen gab es für das Projekt. Ohne viele ehrenamtlich Engagierte wäre das Projekt aber nicht möglich gewesen, betonen die Andräs.

Die Grundprämisse des Films ließe so manchem wohl die Hutschnur platzen, würde sie Realität werden: Im Film verpflichtet ein neues Integrationsgesetz die Deutschen dazu, Geflüchtete bei sich zuhause aufzunehmen. Drei sehr unterschiedliche Nachbarn wollen aber zumindest untereinander entscheiden, welcher der ihnen per geheimem Algorithmus Zugeteilten bei wem unterkommt. Ein paar Geldscheine wechseln den Besitzer, und so erlaubt der Leiter des Flüchtlingsheims das sehr spezielle Casting im bunkerähnlichen Keller der Unterkunft.

Klischeevorstellungen und Vorurteile auf allen Seiten kommen auf den Tisch und werden wieder ausgeräumt. Vermeintliche "Gutmenschen" kommen an die Grenzen ihrer Toleranz, und vermeintliche Rassisten erkennen sich und ihre Probleme in den Schutzsuchenden wieder.

Am Ende der 90 Minuten steht dann auch der Zuschauer vor einer Wahl. Die Aufforderung zur Entscheidung ist der konsequente Höhepunkt von einer Reihe von Kniffen, mit denen der Zuschauer direkter in den Film geholt wird. "Die Hauptfigur ist der Zuschauer selbst, er ist als stiller wandelnder Beobachter Teil des Films", sagte Wolfgang Andrä. Häufig wenden sich die Filmfiguren mit ihren privaten Kommentaren direkt an die Kamera (Marius Böttcher). Dazu kommen Aufnahmen von Handy- und Überwachungskameras.

"Das Thema ist auch jetzt noch relevant", betonte Yvonne Andrä (Produktion) und verwies etwa auf das aktuelle Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. "Wir werden oft mit der Äußerung konfrontiert, dass das Thema Kassengift sei", sagte Yvonne Andrä. Vor allem in Form von Sondervorstellungen hätten sie ihren Film daher bisher in den Kinos platzieren können. Geplant seien aber auch Vorführungen gemeinsam mit Migrantenverbänden und Integrationsbeauftragten.

Offizielle Website des Films

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