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Thüringen Zwangsversteigerung von Jagdschloss Hummelshain steht bevor

Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild

(Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild)

Das ostthüringische Schloss Hummelshain ist seit Jahren ein Sorgenkind der Denkmalpfleger. Jetzt steht die Zwangsversteigerung des Schlosses, das sich in privatem Besitz befindet, bevor.

Hummelshain (dpa/th) - Die Landesregierung ist mit ihrer Absicht gescheitert, die bevorstehende Zwangsversteigerung des Jagdschlosses Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis) zu verschieben. Das Amtsgericht Jena hat einen entsprechenden Antrag abgelehnt, wie Amtsgerichtsdirektor Roland Tröstrum der Deutschen Presse-Agentur sagte. Einen solchen Antrag stellen könnten nur Gläubiger, die die Versteigerung beantragt hätten, erläuterte er. "Bisher gibt es keine Erklärung von Beteiligten, die zur Aufhebung des Termins führen kann." Das als wertvolles Kulturdenkmal geltende und vom Verfall bedrohte Schloss soll am 5. November am Amtsgericht Jena zwangsversteigert werden. Es befindet sich in Privateigentum einer Firma.

Das stark sanierungsbedürftige Bauwerk ist mit Grundschulden belastet. Beantragt hatte die Zwangsversteigerung einer der Gläubiger, der so seine Ansprüche sichern will. Wegen der Bedeutung des Schlosses hatte die Staatskanzlei versucht, die Gläubiger für eine außergerichtliche Einigung zu gewinnen und die Zwangsversteigerung so abzuwenden. Ziel war, das Denkmal in öffentliches Eigentum zu holen oder in verlässliche Hände zu legen. So sollte eine Sanierung mit öffentlicher Unterstützung für eine dauerhafte Nutzung ermöglicht werden.

Mit jedem Gläubiger und dem Insolvenzverwalter sei mehrfach die Vergleichsbereitschaft ausgelotet worden, sagte eine Sprecherin von Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke). Entscheidend sei aber auch die Bereitschaft zur Mitwirkung der jetzigen Eigentümerfirma. Diese Versuche seien bisher gescheitert, eine außergerichtliche Einigung derzeit nicht möglich. Angesichts des Zeitdrucks hatte das Land den Antrag auf Verschiebung der Versteigerung gestellt.

Das einst dem Land gehörende Schloss war 1998 an ein inzwischen insolventes Privatunternehmen verkauft worden, das der Verpflichtung zur Sanierung nicht wie vereinbart nachkam. Vor seiner Insolvenz hatte es das Bauwerk noch an eine andere Firma veräußert. Der Verkauf ist rechtlich umstritten. Der Insolvenzverwalter der Vorbesitzer-Firma hatte im Sommer 2019 ein Verfahren auf Rückübertragung in erster Instanz gewonnen, die Berufungsklage am Oberlandesgericht Jena ist noch nicht verhandelt worden. Ein Verein kümmert sich seit vielen Jahren um das Denkmal und veranlasst Sanierungsarbeiten.

Für die Versteigerung des rund 30 Kilometer südlich von Jena gelegenen Schlosses mit dem dazugehörigen 120 000 Quadratmeter großen Grundstück ist ein Verkehrswert von 700 000 Euro festgelegt. Die Höhe der Grundschulden übertrifft diese Summe laut Staatskanzlei deutlich. Bei einer Zwangsversteigerung müssen die Gebote mindestens 50 Prozent des gültigen Verkehrswertes erreichen. Das Bauwerk ist vom Schwamm befallen, dessen Sanierung der Staatskanzlei zufolge ebenfalls auf Kosten von etwa 700 000 Euro geschätzt wird.

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