Reise

Mecklenburg-Vorpommern Adelssitze als Urlaubsziel

Zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte gibt es rund 2000 ehemalige Adelssitze. Etwa 200 werden laut Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern touristisch genutzt - häufig als Hotel.

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Schloss Lütgenhof in Dassow.

(Foto: Wikipedia/Kresspahl)

Die Anfahrt führt oft über holperige Straßen, manchmal sind es auch Sandpisten. Am Ende liegt stets eine prächtige Schlossfassade. So auch diesmal: Beim Einbiegen in die Litzendorf-Straße am Rande von Dassow in Mecklenburg sieht alles nach einem beliebigen ostdeutschen Städtchen aus. Erst Kopfsteinpflaster und kleine Vorgärten, dann triste Mietkasernen, schließlich alte Bäume. Schließlich ein Hinweisschild: "Lütgenhof". Man biegt rechts ab und wird empfangen von der eindrucksvollen Anfahrt zu einem Schlosshotel.

Das Vier-Sterne-Haus "Lütgenhof" präsentiert sich hellgelb herausgeputzt in einem Park. Der Blick schweift über das Naturschutzgebiet Dassower See mit Schilf und Salzwiesen. Über eine Veranda betritt der Gast die getäfelte Halle. Er wird empfangen von Marmor, gediegenen alten Holzböden, Kassettendecken, zeitgenössischer Kunst und modernem Landhaus-Mobiliar.

Das Gutshaus ist eines von rund 2000 ehemaligen Adelssitzen zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte. Etwa 200 werden nach Angaben des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern touristisch genutzt - häufig als Hotel.

Zu entdecken gibt es in "Meck-Pom" fast protzige Märchenschlösser wie Klink am Müritzufer, ein Neorenaissancebau mit Türmchen und mehr als 100 Zimmern. Deutlich kleiner ist das Backstein-Herrenhaus Gut Stellshagen im Klützer Winkel, in dem ein Bio- und Gesundheitshotel eingezogen ist.

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Schlosshotel Klink an der Müritz mit der im Frühjahr 2000 fertiggestellten Orangerie (links).

(Foto: picture-alliance / dpa)

Es gibt Individualisten-Schlösser, Hochzeits-, Wellness- und Golf-Schlösser und verwunschene kleine Objekte. Manche Burg aus dem Mittelalter hat die Jahrhunderte überdauert. Die Wehrbauten beherbergen allerdings eher Museen als Hotels.

Die Dichte und Verschiedenheit der Bauwerke wird der wechselvollen Geschichte der ländlichen Region zugeschrieben. Schwache Herzog- und Fürstentümer mussten ihre Macht mit Verwandten teilen. Und ein jeder ließ sich neben der Residenz auch Sommer- und Jagdschlösser bauen.

Viele Objekte gehören heute Individualisten oder Unternehmerfamilien, die sich nach der Wende 1990 mit dem Kauf eines - oft stark heruntergekommenen - Schlosses einen Traum erfüllt haben. Neben der Schlösserflut sorgt auch die große Zahl der Parks und Landschaftsgärten für zusätzliche Reize. Die meisten Schlossparks sind offen zugänglich und lohnen zu jeder Jahreszeit einen Besuch - zum Beispiel der 75 Hektar große, klassizistische Schloss-Park von Putbus auf Rügen. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Schloss wurde zwar zu DDR-Zeiten geschleift, doch andere Gebäude beherbergen hier heute Cafs und Galerien.

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Luftaufnahme des zentralen Platzes der Stadt Putbus auf Rügen: Der sogenannte CIRCUS entstand 1833 im Auftrag des Fürsten Graf Wilhelm Malte von Putbus, der in seiner Residenzstadt ein enormes Bauprogramm realisieren ließ.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Wellness-Landschaften gehören in vielen Schlössern zum Schlecht-Wetter-Programm. So auch auf Schloss Schorssow, einem klassizistischen Bau aus dem 18. Jahrhundert. Der Schlossherr, Bauingenieur Alfred Rüßel, legt Wert auf gute Küche -abends bei Kerzenschein -und auf eine persönliche Atmosphäre. Das Tortensortiment zum Kaffee zieht Gäste von weit und fern an.

Etwas für echte Individualisten ist Schloss Frauenmark bei Schwerin: Rund ein Dutzend Gästezimmer mit Namen wie "Charlotte", "Laura" oder "Maria Stuart" sind mit Himmelbetten, viktorianischen Bädern und alten Stilmöbeln unterschiedlich gestaltet.

"Wir haben zwei Jahre gebaut, restauriert und rekonstruiert", erzählt Inhaber Ingo Rothenberg. Wer sich in diese Stimmung verliebt, kann die Möbel auch mit nach Hause nehmen: Viele Inventarstücke sind verkäuflich.

Informationen

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock (Tel.: 0381/403 05 00).

Quelle: n-tv.de, dpa