Reise
Freitag, 19. Juni 2009

Nase für Exotisches: Amy riecht bedrohte Arten

Amys liebstes Spielzeug ist Schlangenhaut. Aber auch bei Krokodilleder und Korallen wird die vierjährige Schäferhündin ganz wild. Um an das Ziel ihrer Gelüste zu kommen, kann sie 350 bis 400 Koffer in nur knapp 15 Minuten schaffen.

Zoll_präpariertes Krokodil_Pfeife im Maul.jpgAmys liebstes Spielzeug ist Schlangenhaut. Aber auch bei Krokodilleder und Korallen wird die vierjährige Schäferhündin ganz wild. Um an das Ziel ihrer Gelüste zu kommen, kann sie 350 bis 400 Koffer in nur knapp 15 Minuten schaffen. Amy ist einer von zwei Artenschutz-Spürhunden in Deutschland. Ihr Arbeitsplatz ist der Frankfurter Flughafen. Amy ist dafür ausgebildet, verbotene exotische Souvenirs wie ausgestopfte Echsen und Schlangen, Krokoleder-Taschen oder Schildkröten aufzuspüren.

Spürhunde für Sprengstoff, Waffen oder Bargeld gibt es schon seit Jahrzehnten. Dass Hunde aber auch auf bedrohte Tiere abgerichtet werden, ist noch relativ neu. Spürhunde für solche Exotensouvenirs gibt es inzwischen zum Beispiel auch am Düsseldorfer Airport. Das Besondere an Amy ist nach Angaben ihres Ausbilders Dieter Keller aber, dass ihre Nase allein auf bedrohte Arten getrimmt wurde.

Zoll_Tierschmuggel_Meeresschildkröte.jpg"Angefangen hat es mit der Vogelgrippe", sagt Keller. Um verbotene Lebensmittel im Gepäck zu finden, seien Zoll-Spürhunde zunächst auf das Erschnüffeln von Eiweiß und tierischen Erzeugnissen trainiert worden. Mit dem zunehmenden Problem des illegalen Handels mit bedrohten Arten ist nun ein weiteres großes Schnüffelfeld hinzugekommen.

Nichts aufschwatzen lassen

Gerade zu Beginn der Urlaubszeit warnen die Artenschützer wieder eindringlich davor, sich in Afrika oder Asien "Andenken" wie in Alkohol eingelegte Kobras, ausgestopfte Krokodile, Elfenbein, Fechterschnecken, Riesenmuscheln oder Orchideen aufschwatzen zu lassen. Ganze Schlangenhäute nageln sich manche Urlauber zu Hause an die Wand. Laut Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) ist die Einfuhr und der Handel mit bedrohten Arten streng eingeschränkt und oft ganz verboten.

Zoll_Tierschmuggel_Luchsfell.jpgDen Unwissenden bei der Zollkontrolle zu spielen, bringt da auch nichts. Wird ein Urlauber mit verbotenen exotischen Souvenirs im Gepäck erwischt, drohen ihm empfindliche Bußgelder, warnt die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel. "Wir leben in einer Informationsgesellschaft", sagt sie. Da könne sich niemand mehr auf das Argument zurückziehen: "Ich habe ja nichts gewusst."

Brond-Hendrick Böttcher vom Düsseldorfer Flughafenzoll rät Reisenden, die Finger ganz von exotischen Souvenirs zu lassen. "Ein einfaches "Nein, Danke" im Geschäft erspart viel Ärger, Zeitverlust und möglicherweise Strafen." Oft werden auch nur Teile von geschützten Arten verarbeitet, etwa Elefantenhaar in einem Goldring oder Korallen in Ketten. Aber auch die Einfuhr solcher Souvenirs ist verboten.

Tod der Tiere einkalkuliert

Die Zahl der aufgedeckten Fälle lag mit 1000 im vergangenen Jahr relativ niedrig, könnte man meinen. Doch insgesamt stellten Zollbeamte mehr als 21.00 Exponate sicher. Manchmal sind es lebende Tiere wie Schildkröten, die sie in doppelten Böden von Koffern finden. "Der Tod einiger Tiere wird einkalkuliert", sagt Böttcher. Beliebt sind auch in Alkohol eingelegte Schlangen. "Es gibt Leute, die trinken das auch noch und finden das sehr chic", sagt BfN- Präsidentin Jessel.

2kr22214.jpg7414278370247336378.jpgViele Touristen bringen nach Angaben des Bundesamts geschützte Tiere und Pflanzen schlicht aus "Unkenntnis, Dummheit oder Ignoranz" als Andenken mit. "Wir machen uns aber keine Illusionen, dass wir das eindämmen können", sagt der Zollbeamte Böttcher. "Die Zahl bleibt gleich, nur die Mode wird anders." So stehen derzeit Korallen auf Platz eins der Hitliste verbotener Souvenirs.

Besonders abstoßend aber war ein Fund des Düsseldorfer Zolls auf einem Großmarkt: ein "Flamingoschwein": Auf den Rumpf eines präparierten Schweins war der Kopf eines artengeschützten Flamingos genäht.

Quelle: n-tv.de