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Big, bigger, American Dream Größte Spaßmall der Welt entsteht

Eine neue Riesenmall bei New York soll ab Ende 2013 jährlich 55 Millionen Besucher anziehen. Das fast 700.000 Quadratmeter große "American Dream Meadowlands" soll der weltweit größte Einkaufs- und Vergnügungspark werden, mit einer Badelandschaft unter einer Glaskuppel und der ersten Ski- und Snowboardhalle Nordamerikas.

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Der Traum soll nun doch wahr werden: New Jerseys Gouverneur Chris Christie (r) vor einer Grafik des zukünftigen "American Dream Meadowlands". (Bild vom 3. Mai 2011)

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Von den Ausfahrtschildern der Autobahn I-95 bei New York ist der Hinweis auf Xanadu längst gestrichen. Jahrelang zeugte die bunte Bauruine vor Manhattans Skyline von gescheitertem Investoren-Größenwahn: Xanadu Meadowlands war als Mega-Mall mit 250 Shops, Skydiving-Tunnel und Indoor-Skipiste geplant - bis die Finanzkrise das fast schlüsselfertige Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt im Jahr 2009 platzen ließ. Nun soll die Idee wiederauferstehen: Bis Ende 2013 soll unter dem suggestiven Namen American Dream@Meadowlands der weltweit größte Einkaufs- und Vergnügungspark entstehen.

Der Branchenriese Triple Five will dem Komplex zu einem spektakulären Neustart verhelfen. Triple Five ist ein Unternehmen der kanadischen Ghermezian-Familie, die seit 30 Jahren Freizeitparks und gigantische Shopping-Malls unter einem Dach vereint. Zu dem Konzern gehört auch die Mall of America im US-Staat Minnesota. Sie zieht nach Angaben ihrer Betreiber jährlich 40 Millionen Menschen an und gilt damit als meistbesuchte Mall der Welt.

Nicht weit von Giants und Jets

Einen noch stärkeren Besuchermagneten wollen die Ghermezians nun in den Meadowlands bei East Rutherford (New Jersey) schaffen, nicht weit vom Stadion der beiden New Yorker Football-Mannschaften Giants und Jets. Dank einer neuen Bahnverbindung ist das Sport- und Entertainment-Areal inzwischen nur noch einen 23-minütigen Katzensprung von Manhattan entfernt.

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Der Skilift in der Wintersport-Halle.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

55 Millionen Mall-Kunden pro Jahr, die Hälfte davon Touristen aus aller Welt, werden der Region einen Aufschwung bescheren, versprach Triple-Five-Chef Nader Ghermezian auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit New Jerseys Gouverneur Chris Christie. "Warum nach Mailand, Paris oder London reisen?", fügte Konzernvize Paul Ghermezian hinzu. "Seit jeher träumen die Menschen von Amerika. Wir werden ihnen hier zeigen, dass der Amerikanische Traum lebendig ist!

Buntkariertes Design brachte Spott

Für ihr jüngstes Reich der Superlative plant die aus Iran eingewanderte Unternehmerfamilie neben einem Aussichts-Riesenrad ein Spielcasino, einen Wasserpark und ein Eisstadion. Die Mall soll außerdem ein attraktiveres Äußeres bekommen als das buntkarierte Fabrikhallen-Design, das dem alten Projekt nur Spott einbrachte. In diese Aus- und Umbauarbeiten will Triple Five noch einmal mehr als eine Milliarde Dollar (rund 700 Millionen Euro) investieren.

Rund 200 Millionen Dollar aus der Staatskasse hat Gouverneur Christie den Ghermezians als subventionierten Kredit zugesagt; nach Eröffnung will er der Mall Umsatzsteuern in noch einmal derselben Höhe erlassen. Der kämpferische Republikaner, dem Ambitionen auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2012 nachgesagt werden, präsentiert sich als Retter in der Not: Eben noch drohte das hochverschuldete New Jersey auf der größten Investitionsruine der USA sitzenzubleiben, nun sollen laut Christie 9000 Bauarbeiter-Jobs und nach Fertigstellung mehr als 35.000 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

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Auf einem Riesen-Bildschirm wird man Sportereignisse verfolgen können.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. "Christie streicht die Mittel für Schulen und erneuerbare Energien zusammen", schimpft Jeff Tittel, Direktor der Umweltorganisation Sierra Club in New Jersey, mit Blick auf den strikten Sparkurs des seit Anfang 2010 amtierenden Gouverneurs. "Aber einer hässlichen Mall hilft er finanziell aus der Patsche!"

Einen Reporter der Regionalzeitung "Star Ledger" hat der neue Name in geradezu heilige Wut versetzt: "Das hier Amerikanischen Traum zu nennen ist reine Blasphemie!" wettert Brian Donohue. "Hier verkommt der Traum von einer wunderbaren egalitären Welt zu einem Ort, der sich mit einer künstlichen Skipiste brüstet - und mit dem größten Süßwarenladen der Welt!" Wer unter einem Markennamen, der Freiheit und Gleichheit verspricht, nur Konsum anbietet, hat in Wirklichkeit ganz andere Ziele, sagt Donohue: "Das ist der Amerikanische Traum vom schnellen Reichtum - aber den verwirklicht in diesem Fall nur einer für sich: der Investor!"

Quelle: ntv.de, Ute Mehnert, AFP