Reise

Mehr Platz, Multimedia und guter Kaffee Komfort soll Busreisende locken

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Die Zahl der Busreisen ist rückläufig. Fast 60 Prozent der Reisenden sind Senioren.

(Foto: dpa)

Hightech-Küchen und W-LAN: Immer mehr Reisebusse enthalten modernste Technik. Um neue - und auch jüngere - Kunden zu gewinnen, setzen Busunternehmen auf mehr Komfort. Denn weniger Deutsche als zuvor sind im letzten Jahr per Bus in den Urlaub gefahren. Fast 60 Prozent der Busreisenden sind Senioren.

Das ältere Ehepaar aus der Nähe von Köln gönnt sich jedes Jahr eine Reise. In Schottland waren die beiden, am Lago Maggiore und kürzlich erst an der Nordsee - alles per Bus. "Das ist so schön bequem", sagt die 72-jährige Frau. "Man wird abgeholt, bei Ausflügen überall hingebracht, und muss sich um nichts kümmern." Das Paar gehört zur klassischen Zielgruppe der Branche: Knapp 60 Prozent der Passagiere sind Senioren. Doch trotz der demografischen Entwicklung ist die Zahl der reinen Busreisen rückläufig. Mit höherem Komfort und Angeboten für Aktiv-Urlaube wollen die Unternehmen mehr Gäste gewinnen.

Kombinationen zunehmend gefragt

Rund 5,6 Millionen Deutsche haben nach Angaben des Internationalen Bustouristik-Verbands RDA im vergangenen Jahr eine mindestens fünftägige Busreise unternommen. 2008 waren es noch 6 Millionen. Zugenommen habe dagegen die Zahl derjenigen, die mit anderen Verkehrsmitteln an ihren Zielort gelangen und erst dort in den Bus umsteigen. 19,4 Millionen Menschen machten solche kombinierten Reisen - die teils von Busunternehmen angeboten werden.

"Die klassischen Busunternehmen entwickeln sich immer mehr zu mittelständischen Reiseveranstalter", sagte RDA-Präsident Richard Eberhardt in Köln. Dort trifft sich die Branche derzeit beim RDA-Workshop, der europäischen Leitmesse für die Bustouristik.

Ort zum Ausruhen zwischendurch

Eine zunehmende Nachfrage gebe es nach Wander- oder Radtouren, die mit einer Busreise kombiniert werden. Gerade ältere Leute könnten sich zwischen den Wanderetappen dann im Bus ausruhen. Als neuer Trend entwickle sich vor allem die Flusskreuzfahrt, bei denen der Bus neben der An- und Abreise auch für Ausflüge genutzt werde, erläuterte Eberhardt.

Einschließlich Kurzreisen, Tagesausflügen und Klassenfahrten waren 2010 etwa 100 Millionen Menschen mit Reisebussen unterwegs. Der Bruttoumsatz der Bustouristik - inklusive Zusatzleistungen wie Hotel und Verpflegung - betrug nach RDA-Angaben über 10 Milliarden Euro. Eine Mitgliederumfrage habe ergeben, dass die Mehrheit der Unternehmen im ersten Halbjahr 2011 einen Gäste- und Umsatzzuwachs verzeichnet habe.

Spielekonsolen und W-LAN

Mit mehr Beinfreiheit, modernen Kaffeemaschinen und kleinen Hightech-Küchen wollen Unternehmer die Reise komfortabler gestalten. "Viele Fahrzeuge haben nicht mehr nur ein oder zwei Steckdosen für den Staubsauger, sondern sind in jeder Reihe mit Steckdosen ausgestattet", sagt Hermann Meyering, Vorsitzender der Gütegemeinschaft Buskomfort. Sogar W-Lan, Blu-Ray, DVD oder Spielekonsolen an Bord seien gar nicht mehr so selten. So sollten Busreisen auch für jüngere Urlauber attraktiver werden. Hauptzielgruppe blieben aber die "Best Ager".

Während die rund 4500 deutschen Busunternehmen einerseits von der älter werdenden Gesellschaft profitieren wollen, bekommen sie andererseits die Folgen zu spüren: Mindestens ein Drittel der etwa 120.000 Busfahrer gehe in den nächsten Jahren in den Ruhestand - und der Nachwuchs fehle. Ein Grund dafür sind nach Angaben von Eberhardt die hohen Führerschein- und Ausbildungskosten von mindestens 10.000 Euro. "Hier müssen wir andere Rahmenbedingungen schaffen", meinte der RDA-Präsident.

Quelle: n-tv.de, Petra Albers, dpa

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