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"Der Deutschen liebstes Urlaubsziel" Mecklenburg schlägt Bayern

Liebevoll restaurierte Hansestädte, dicht bewaldete Seen, Sonne satt und kilometerlange Sandstrände. Mecklenburg-Vorpommern geizt nicht mit Attraktionen wie dem Fischland bei Ahrenshoop, das für den Schriftsteller und bekennenden Mecklenburger Uwe Johnson "das schönste Land in der Welt" war. Im Sommergeschäft mit den Urlaubern hat das ansonsten finanzarme Bundesland das reichere Bayern mittlerweile hinter sich gelassen. "Das ist eine der Erfolgsgeschichten", zieht Tobias Woitendorf vom Tourismusverband 20 Jahre nach dem Fall der Mauer Bilanz.

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Giebelhäuser in der Mühlenstraße in der Altstadt von Stralsund.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie schon zu DDR-Zeiten zieht es auch die wiedervereinigten Deutschen in Massen zu den "Fischköppen". "Mecklenburg-Vorpommern ist der Deutschen liebstes Urlaubsziel", jubeln Tourismusverband und Landesregierung. Die gerade abgelaufene Sommersaison hat dem unter mehr als zwölf Prozent Arbeitslosigkeit leidenden Land neue Rekorde beschert.

Wie ein Sieg über den FC Bayern

"Mit 1,1 Millionen Feriengästen und fünf Millionen Übernachtungen im August gab es bisher nie erreichte Werte", freut sich Wirtschafts- und Tourismusminister Jürgen Seidel. In den ersten acht Monaten des Jahres habe es 4,9 Millionen Gäste und 21,2 Millionen Übernachtungen gegeben, was Zuwächsen von 6,2 beziehungsweise vier Prozent entspreche. Für das gesamte Jahr rechnet Woitendorf mit rund 28 Millionen Übernachtungen und 6,5 Millionen Gästen, die in 2800 Beherbergungsbetrieben ihr müdes Haupt zur Ruhe gebettet haben werden.

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Am Strand von Warnemünde.

"Die Branche trotzt in Mecklenburg-Vorpommern der Wirtschaftskrise", zeigt sich der CDU-Politiker Seidel zufrieden. Nach einer Studie des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier machte in diesem Jahr mit 26,1 Prozent mehr als jeder vierte deutsche Inlandstourist Sommerurlaub im Nordosten. "Nach einem Jahr auf dem zweiten Platz konnten wir den Abstand zu Bayern in diesem Jahr sogar deutlich vergrößern", begeistert sich Seidel, so als hätte der FC Hansa Rostock bei Bayern München gewonnen.

Anders als beim Fußball spielt das kleine Mecklenburg-Vorpommern mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern mit den 12,4 Millionen Bayern beim Tourismus auf Augenhöhe - ein Ergebnis langjähriger Anstrengungen. Seit 1991 wurden rund fünf Milliarden Euro in Betriebe und Infrastruktur investiert, zu denen das Land und der Bund etwa 1,5 Milliarden Euro beisteuerten, wie Seidels Sprecher Gerd Lange ergänzt. Der Fremdenverkehr trage somit zu etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.

Tourismus-Boom schafft Arbeitsplätze

Das schafft etwa 130.000 Arbeitsplätze. Und der Tourismus-Boom macht sich auch an den Arbeitslosenzahlen bemerkbar: In Ferienhochburgen wie Bad Doberan und der Insel Rügen lag die Arbeitslosigkeit im September mit 8,8 beziehungsweise 8,4 Prozent weit unter dem Landesdurchschnitt.

Auch europaweit spielt Mecklenburg-Vorpommern in der ersten Liga. Bei der touristischen Intensität, die aus dem Verhältnis von Übernachtungen und Einwohnern pro Region errechnet wird, liege der Nordosten hinter Südtirol und Kärnten an dritter Stelle, erläutert Woitendorf.

Doch damit geben sich die Mecklenburger nicht zufrieden. Nun wollen sie die Bayern auch im Winter angreifen. Denn in der kalten Jahreszeit ist Mecklenburg-Vorpommern mangels Bergen im Hintertreffen. "Wir müssen rund ums Jahr attraktiv sein, für die Touristen und die Beschäftigten", fordert Minister Seidel zusätzliche Anstrengungen von Hotellerie und Gastronomie.

Hüllenlos nur noch an ausgewählten Abschnitten

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit dem Zug an die Ostsee knüpfen die Deutschen an alte Traditionen an. So galt die Insel Usedom mit ihren prachtvollen Kaiserbädern Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf einst als "Badewanne Berlins". Hauptstädter, die es sich leisten konnten, verbrachten auf Rügen und Usedom Wochen in der Sommerfrische. Auch zu DDR-Zeiten erfreute sich die Küste, die wirtschaftlich ansonsten von Schiffbau, Fischerei und Landwirtschaft geprägt war, großer Beliebtheit. Freilich waren Ferienplätze knapp und Betten an der Küste nur selten zu ergattern.

Die DDR-Bürger verbrachten ihre Urlaubstage gerne hüllenlos. Und auch heute ist FKK an den Stränden möglich. Im Gegensatz zu früher sind den Nudisten nach Protesten westdeutscher Gäste Anfang der 1990er Jahre allerdings eigene Abschnitte eingeräumt worden. Ungeklärt ist, ob ein an der Ostsee geprägter Begriff etwas mit der Badekleidung der Urlauber zu tun hatte: "Dumm wie ein Badegast".

Quelle: n-tv.de, Volker Warkentin, Reuters

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