Reise

Exportschlager Oktoberfest "O'zapft is" von Peking bis Kabul

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(Foto: REUTERS)

Rund um den Globus ist das Münchner Oktoberfest ein Schlager. Wer es nicht nach München schafft, hat vielerorts eine Alternative: Denn oft gibt es in der eigenen Heimat eine Kopie des berühmten Bierfestes.

Das Münchner Oktoberfest zieht viele Menschen aus aller Welt magisch an: Alljährlich reisen Zehntausende aus dem Ausland an und geben viel Geld aus, um ein Mal beim größten Volksfest der Welt dabei zu sein. Mancherorts haben Wiesn-Fans den Spieß indes umgedreht - und feiern ihr eigenes Oktoberfest. Mehr als 2000 Nachahmer gibt es weltweit. "Die Zahl wächst konstant", sagt Münchner Festleiterin Gabriele Weishäupl. Wenn in München der Endspurt ansteht, gehen die Feste in Indien oder Australien gerade erst los.

Ob in Japan, Russland, Vietnam, Bahrain oder auf Hawaii - überall feiern Menschen Oktoberfeste. Oder das, was sie dafür halten. Die bayerische Gemütlichkeit boomt unter Palmen in der Karibik wie im ewigen Eis der Antarktis. "Das Oktoberfest übt eine Faszination rund um den Globus aus", sagt Weishäupl.

Heimatgefühle im der Ferne

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(Foto: REUTERS)

Oktoberfeste hätten sich vor allem dort etabliert, wo es deutsche Einwanderer gebe. "Sie versuchen, an ihre Heimatbräuche anzuknüpfen - und das Oktoberfest ist der Prototyp des heimatlichen Fests." Mal dauert so ein Fest nur einen Abend, mal wird im Frühjahr gefeiert, mal gleicht der Einzug der Wirte eher einem Faschingsumzug.

Allein in London, wo die Maß wegen der britischen Pint-Einheit ein bisschen mehr als einen Liter hat, sind mindestens fünf Oktoberfeste bekannt. Die Wirte der deutschen Kneipen haben darin einen Kassenschlager entdeckt.

Kein Weg zu weit

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Egal wo auf der Welt das Oktoberfest gefeiert wird, es endet vermutlich oftmals gleich.

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Selbst im letzten Winkel der Welt sehnen sich die Menschen nach dem Wiesn-Gefühl. Einmal habe sich gar eine Forschungsstation am Südpol bei ihr gemeldet, berichtet Weishäupl. Das Fass Bier musste extra eingeflogen werden. Demnächst wird die Wiesnchefin Grüße nach Kabul schicken: Am 3. Oktober - zum Tag der Deutschen Einheit und am letzten Tag der echten Wiesn - sollen dort Bundeswehrsoldaten ein Oktoberfest feiern.

Eines der größten Oktoberfeste mit 1,5 Millionen Besuchern hat Blumenau in Brasilien - in München sind es sechs Millionen. Seit 27 Jahren feiern die Blumenauer mit Blasmusik und Bier, mancher hat gar eine echte Lederhose. Trotzdem war Weishäupl als Chefin des wahren Oktoberfests im echten Dirndl eine Attraktion: "Hier sehen sie die Direktorin des Oktoberfests", habe der Bürgermeister über Megafon den jubelnden Massen zugerufen, als er mit Weishäupl in der Kutsche zum Fest fuhr. Freilich gibt es Diskrepanzen: Statt "Haxe" wird etwa "Eisbein" - der norddeutsche Ausdruck für das Gericht - angepriesen.

Befremdlichkeit und Ungeduld

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Lederhosen kann man neu, aber auch gebraucht kaufen.

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In Indien wunderten sich die Besucher beim ersten Oktoberfest vor zehn Jahren in der Hightech-Metropole Bangalore vor allem über die Kleidung der aus Bayern angereisten Blaskapelle. Die Zeitung "The Times of India" erklärte ihren Lesern den ungewöhnlichen Anblick: Die Kleidung der Musikanten sei nicht dreckig, sondern müsse so aussehen. "Man nennt es Lederhose und wenn es ölig ist, ist es ein Original."

Den Besuchern des Bierfestes in Moskau dauerte die Zeremonie des Fass-Anstichs indes zu lang. Bevor der eigens angereiste Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn das erste Fass mit nur einem Schlag anzapfte, tranken sie längst Bier aus Dosen. Von der Karibikinsel St. Maarten wird berichtet, dass das Bier mangels Maßkrügen in Plastikbechern ausgeschenkt wurde. In China sollen Veranstalter den Fass-Boden wohl als Deckel missverstanden und mit einem Seil herausgerissen haben. Eine Bierdusche war die Folge.

Aufeinandertreffen der Welten

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Auch Tieren wird das Fest nicht vorenthalten: Trachtenmode gibt es auch für sie.

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Um die Besucher besser vorzubereiten, hat Wiesnwirt Michael P. Schottenhamel zuletzt in China Aufbauhilfe geleistet: Mit acht Festhallen mit 85.000 Plätzen sollte die Pekinger Wiesn fast so groß werden wie die echte mit 15 großen Zelten und 115.000 Sitzen. Fünf Jahre beriet er die Pekinger, brachte Rezepte fürs Bierbrauen, Schnittmuster für Dirndl und Noten für Wiesn-Hits.

Er verlieh sogar seine Köche - dennoch prallten kulinarisch Welten aufeinander. "Zu allem musste es Sauerkraut geben, sogar zu Fisch." Am Ende war auch das Interesse der Chinesen nicht so groß wie erwartet: Anstelle der erhofften vier Millionen Besucher kam nach Schätzungen maximal eine Million.

Quelle: ntv.de, Sabine Dobel, dpa

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