Reise

Scharf auf deutsche Urlauber Polen will "Sommermärchen II"

Nach dem Fußball soll der Euro rollen: Polen und die Ukraine wollen mit der EM im Sommer ihren Tourismus dauerhaft ankurbeln. Besonders hoffen sie auf die reisefreudigen Deutschen.

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Bald gehts lohos! Die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine geht vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kilometerlange Strände, malerische Städte, schrille Clubs und urwüchsige Restaurants - wem dabei nur Spanien oder die Türkei einfallen, der muss in diesem Jahr neu nachdenken. Drei Monate vor der Fußball-Europameisterschaft umgarnt Gastgeber Polen die Deutschen. "Wir wollen die EM zu einem polnischen Sommermärchen machen", sagt die Vize-Tourismusministerin Katarzyna Sobierajska in bewusster Anlehnung an die WM in Deutschland 2006.

Die zahlungskräftigen Fans aus dem Nachbarland sollen sich für Polen begeistern und auch wiederkommen, wenn der Fußball wieder ruht - sei es zum Baden in der Ostsee oder für Städtereisen. Denn wie Mitgastgeber Ukraine hat Polen beim Tourismus eine Menge aufzuholen.

Ende der 90er Jahre reisten noch bis zu 19 Millionen ausländische Touristen in das östliche Nachbarland. Doch die Neugier nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war schnell gestillt, und Qualität und Service lagen längst nicht auf West-Niveau - viele Gäste kamen nicht wieder.

Jung und modern

Nun präsentiert sich Polen als junges und modernes Land. Es hat 25 Milliarden Euro in Stadien, Hotels, Straßen, Bahnhöfe und Flughäfen gesteckt, auch um für die zusätzlich erwarteten bis zu eine Million EM-Touristen gewappnet zu sein. Die Hotelbettenzahl sei in rund fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen, sagt Polens oberster Tourismuswerber Rafal Szmytke. Parallel stieg die Zahl der ausländischen Besucher wieder, zuletzt im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 13,2 Millionen. Jeder Dritte kam aus Deutschland.

"Deutschland ist seit Jahren für uns der wichtigste Partner", sagt Sobierajska. Zwei Milliarden Euro ließen die Nachbarn im vorletzten Jahr im Land - das ist ausbaufähig. Denn die Deutschen mit polnischen Wurzeln übernachten oft bei Verwandten und bringen damit wenig Geld ins Land. Viele Deutsche, die nach Masuren und an die Ostsee reisen, quartieren sich nach Angaben des polnischen Fremdenverkehrsamts in Berlin gern kostengünstig in Ferienwohnungen und auf Zeltplätzen ein.

Die Tourismuswerber sehen deshalb mit Freude, dass auch die Zahl der Kultur- und Städtereisen zunimmt. Die Bundesbürger suchen oft die Spuren der Geschichte in Städten, die bis 1945 zu Deutschland gehörten, besonders Breslau und Stettin. Auch Warschau, Krakau, Danzig oder Posen erfreuten sich großen Interesses.

Sonderspur für Karteninhaber

Eine Sonderspur an den östlichen Grenzübergängen ist im Sommer allen reserviert, die eine EM-Eintrittskarte für Kiew, Donezk, Lemberg oder Charkow haben. Die Ukraine will mit der EM endlich als Reiseziel wahrgenommen werden. "Die Ukrainer sind stolz auf ihre 3000-jährige Kultur und wollen auch die Fans daran teilhaben lassen", verspricht Oleg Lytvyak, der Direktor der Tourismusorganisation des Landes. "Wir hoffen, dass wir auch nach der EM im Gespräch bleiben."

Auch diesseits von Oder und Neiße macht sich EM-Hoffnung breit. Die Ostseeinsel Usedom setzt auf Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn, die für das ZDF vor der Seebrücke von Heringsdorf die Spiele kommentieren werden. Das ist für das Kaiserbad Werbung mit Postkartenmotiven zur besten Sendezeit.

Auf die EM setzt auch der neue Berliner Großflughafen, der wenige Tage vor dem Anstoß am 8. Juni nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze in Betrieb geht. Flughafensprecher Leif Erichsen hofft auf einen ähnlichen Effekt wie 2010, als Posen in der Fußball-Euroleague gegen Manchester United und Juventus Turin spielte. "Die Fans sind alle über Schönefeld angereist."

Quelle: ntv.de, Burkhard Fraune, dpa

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