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Flugabsage wegen Vulkanasche Rechte der Passagiere

Die von den Flugverboten in Nord- und Westeuropa betroffenen Passagiere können von ihren Fluggesellschaften den kompletten Ticketpreis zurückfordern. Zudem muss eine Fluggesellschaft die Passagiere an den Zielort befördern, auch wenn der Flugverkehr aus Gründen höherer Gewalt eingeschränkt ist.

Der Vulkanausbruch auf Island sorgt für zahlreiche Flugausfälle in Nord- und Westeuropa. Passagiere können von den Airlines den kompletten Ticketpreis zurückfordern.jpg

Der Vulkanausbruch auf Island sorgt für zahlreiche Flugausfälle in Nord- und Westeuropa. Passagiere können von den Airlines den kompletten Ticketpreis zurückfordern.

Die von den Flugverboten in Nord- und Westeuropa betroffenen Passagiere können von ihren Fluggesellschaften den kompletten Ticketpreis zurückfordern. Alternativ besteht ein Anspruch auf die kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flugtermin, erläuterte der Reiserechtler Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden. Von den Flugverboten betroffen sind Reisende in großen Teilen West- und Nordeuropas. Dort sorgte Vulkanasche in der Luft für die Schließung von Flughäfen sowie des Luftraums. Die Asche stammt von dem auf Island ausgebrochenen Vulkan am Eyjafjalla-Gletscher.

Die Fluggesellschaften müssten betroffenen Passagieren auf ihren Wunsch hin den kompletten Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren zurückzahlen, erklärte Hopperdietzel. Einen darüber hinausgehenden Schadenersatz, wie er in der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 bei Annullierungen vorgesehen ist, gebe es für Reisende dagegen nicht: Bei einer Schließung von Flughäfen oder des gesamten Luftraums könne sich eine Fluggesellschaft von ihrer Schadenersatzpflicht entlasten.

Ansprüche auch bei höherer Gewalt

Auch wenn der Flugverkehr aus Gründen höherer Gewalt eingeschränkt ist, muss eine Fluggesellschaft die Passagiere an den Zielort befördern. Kann eine Maschine dort nicht landen und muss sie auf einen anderen Flughafen ausweichen, habe die Airline die Pflicht, die Passagiere zum Beispiel mit Bussen ans Ziel zu bringen, erklärt die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk.

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Gestrandete Passagiere auf bereitgestellten Feldbetten im Flughafen in Frankfurt am Main.

(Foto: APN)

Das gilt zum Beispiel für Fluggäste, die wegen der Aschewolke aus Island nicht in Frankfurt landen konnten und nach München umgeleitet wurden. Sorgt die Fluggesellschaft nicht für die Weiterreise, könne der Gast die Rückreise selbst organisieren und die Kosten für Bus- oder Bahnfahrt der Fluggesellschaft in Rechnung stellen, erläuterte die Expertin von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Der Veranstalter ist in der Pflicht

Keinen Unterschied macht in diesem Fall, ob sich die Fluggäste das Ticket selbst gekauft haben oder mit einem Reiseveranstalter pauschal verreisen: "Auch der Veranstalter ist in der Pflicht sicherzustellen, dass seine Gäste am vereinbarten Zielflughafen ankommen." Ein häufiges Missverständnis aufgebrachter Urlauber sei allerdings die Erwartung, die Rückfahrt bis nach Hause bezahlt zu bekommen. Das sei aber nicht so: "Sowohl Pauschalurlauber als auch Kunden, die den Flug individuell buchen, müssen sich selbst darum kümmern, vom Flughafen bis zur Haustür zu kommen", sagte Fischer-Volk. "Ich kann mir nicht einfach ein Taxi nehmen und die Kosten zurückverlangen."

Im Fall von höherer Gewalt gibt es auch keinen Anspruch auf Erstattung von Übernachtungskosten, wenn ein Reisender, der an einem anderen Flughafen als geplant landen musste, so spät am Abend am eigentlich gewünschten Zielflughafen eintrifft, dass er nicht mehr nach Hause kommt. "Muss er sich dann ein Hotel suchen, hat er die Kosten dafür zu tragen", erklärte Fischer-Volk.

Rücktrittsmöglichkeit bei großer Verzögerung

Die Verbraucherzentrale Berlin weist auf Nachfrage von n-tv.de darauf hin, dass Reisewillige, die eine Pauschalreise gebucht haben, von dieser komplett zurücktreten können, sollte eine Verzögerung des Reiseantritts von mehr als 5 Stunden auftreten. In diesem Fall wird der vollständige Reisepreis zurückerstattet. Wer Flug und Hotel unabhängig voneinander gebucht hat, muss bei der Unterkunft auf die Kulanz des Anbieters hoffen. Reiserücktrittsversicherungen springen hier nicht ein, da sie ausschließlich Unwägbarkeiten des Reisenden selbst absichern.  

Der Mietwagen-Vermittler Sunny Cars bietet Kunden, die ihre Reise nicht wie geplant antreten können, eine kostenfreie Stornierungsmöglichkeit für den Mietbeginn bis einschließlich kommenden Sonntag an. Je nach aktueller Reisesituation wird das Angebot darüber hinaus verlängert.

Quelle: n-tv.de, dpa

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